Susanne bringt Zweitliga-Club in Schwung

In Sachen Tischtennis hat das kleine Schweden Einiges zu bieten. Zumindest bei den Herren; mit Jan Ove Waldner haben die Schweden einen Olympiasieger und mehrfachen Weltmeister. Bei den Damen sieht es nicht ganz so gut aus. Um weiter zu kommen, gehen viele Spielerinnen daher gern ins Ausland, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Susanne Jonsson spielt in Schweden in der Nationalmannschaft. In Deutschland verhilft sie gerade einem Zweitliga-Club zum Aufstieg in die erste Liga.

Verlass auf Skandinavier

Sonntagnachmittag in einem Stadtteil von Hannover, der TSV Kirchrode spielt gegen die Gäste aus Glane bei Osnabrück. Die Halle ist neu, hat viel Geld gekostet. Viel zu schade für Zweitligaspiele meint Manager Uwe Rehbein. Mit Verstärkung aus dem Norden soll es nach oben gehen: „Ja warum eine Schwedin? Wir haben auch in der Herrenklasse in der Bundesliga gespielt mit zwei Finnen“, überlegt er.

„Man weiß, dass die Skandinavier sehr zuverlässig sind, die haben eine sehr gute Einstellung zu ihrem Sport. Und ich weiß auch, dass Susanne und ihre Schwester, die ja auch in Deutschland spielt, ein sehr gutes Training in Schweden haben und sich nur auf Tischtennis konzentrieren können und ich bin sehr zufrieden mit dem, was sie bisher hier in Kirchrode gezeigt hat. Sie ist sehr zuverlässig, spielt optimal. Und auf skandinavische Spieler kann man sich an und für sich verlassen von ihrer ganzen Mentalität her.“

Seit Beginn der Saison verstärkt Susanne Jonsson aus Helsingborg die Mannschaft des TSV Kirchrode. Trainer Alex Voß ist sehr angetan von der 24-Jährigen: „Sie ist auf jeden Fall ein sehr positiver Typ für die Mannschaft, hat eine sehr professionelle Einstellung. Ist damit auch Vorbild für die ganze Truppe und hat sich in den 7,8 Monaten sehr gut in die Mannschaft integriert. Ich denke auch, dass sie sich sehr wohl fühlt.“

An diesem Sonntag gegen Glane läuft es auch zunächst wie geplant. Das erste Doppelt gewinnt sie spielend gemeinsam mit Ekaterina Buka, ihrer deutschrussischen Partnerin. Ekaterina ist denn auch recht zufrieden: „Wir spielen immer, Susanne spielt auch Topspin und schnell, das klappt eigentlich gut.“

Im ersten Einzel dagegen schwächelt die Südschwedin mit dem glatten braunen Haar, zeigt Nerven und verliert. Die Gegnerin Nina Tschimpel nach dem Spiel: „Susanne, normalerweise vom Potenzial her ist sie mir klar überlegen, aber sie hat halt heute wohl nicht ihren besten Tag gehabt. Ich habe noch nie gegen sie gespielt, aber sie hat in der zweiten Liga schon eine ziemlich gute Bilanz gespielt von daher habe ich mir vorher nicht so viele Chancen ausgerechnet.“

Lange Anfahrten

Ihre Klasse beweist Susanne Jonsson dann im zweiten Einzel, das sie souverän gewinnt. Natürlich lastet auch ein gewisser Druck auf ihr, sie kostet den Verein mit Abstand am meisten, schon allein wegen der Reisekosten: für jedes Spiel reist die kräftige junge Frau eigens aus Helsingborg an. Dieser weite Weg schlaucht sie natürlich auch. „Es die Fahrten sind anstrengend und ziemlich langweilig. Aber das ist manchmal so, man muss das machen. Ich komme mit dem Zug. Eine Fahrt dauert ungefähr neun Stunden, dabei schlafe ich und lese Bücher.“

Auch vor ihrer Verpflichtung in Kirchrode hat Susanne Jonsson schon in Deutschland gespielt, in Tostedt in der Heide. Anlass dafür war eine Verletzung, die sie vorübergehend aus der schwedischen Nationalmannschaft geworfen hatte. „Als ich verletzt war, wollte ich gerne zurück in die Nationalmannschaft“ erinnert Susanne sich. „Aber dafür musste ich wieder besser spielen. Deshalb wollte ich nach Deutschland, um gegen ein paar neue Spieler anzutreten. In Schweden habe ich so oft gegen dieselben Leute gespielt, dass ich neue Spieler wollte.“

Anfänge in Umeå

Das hat geholfen, mittlerweile spielt Susanne Jonsson wieder in der Nationalmannschaft. Angefangen mit dem kleinen Zelluloidball hat für sie alles im Norden Schwedens. Dort, etwa 140 Kilometer von Umeå entfernt, ist sie aufgewachsen: „Ich komme aus einem sehr kleinen Dorf, nur 200 Einwohner. Da war ein Mann, der wollte, dass meine Schwester und ich Tischtennis ausprobieren, das haben wir getan, und hat uns viel Spaß gemacht.“

Und das tut es heute noch. Drei Heimspiele muss Susanne noch mit dem TSV Kirchrode gewinnen, damit die Mannschaft ihren zweiten Platz behält. Der würde reichen, um in die erste Liga aufzusteigen, da der Tabellenführer auf den Aufstieg verzichtet. Der Grund: die hohen Kosten. Auch für den TSV Kirchrode steht noch nicht fest, ob er die mit 60.000 Euro drei mal so hohen Kosten der ersten Liga durch Sponsoren finanzieren kann.

Mit etwas Glück spielt in Hannover demnächst ein schwedisches Doppel, meint Manager Uwe Rehbein: „Wer weiß, Susanne, wenn es geht, würde ich sie ganz gerne weiterhin verpflichten nächstes Jahr, wenn die Sponsoren mitziehen. Ihre Schwester spielt ja auch hier, ich habe auch gehört, dass sie vielleicht Interesse hat, auch in Hannover zu spielen, und vielleicht spielen ja nächstes Jahr die zwei Jonsson-Geschwister hier in Hannover.“

Axel Hammerl

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