Tod in Knutby

Der Flecken Knutby bei Uppsala war bis vor kurzem nur wenigen Schweden ein Begriff. Doch seit dort eine 26-jährige Frau erschossen und ein 30-jähriger Mann mit derselben Pistole schwer verletzt wurde, steht die in Knutby ansässige Philadelphiagemeinde im Rampenlicht. Denn: Die Opfer sowie die Täterin sind Mitglieder der Gemeinde. Jetzt sitzen auch ein Pastor und eine weitere junge Frau in Untersuchungshaft - sie sind die jeweiligen Ehepartner der Opfer. Und dann soll sogar die „Braut Christi" in höchst eigener Person in Knutby leben…

Ein Jesus zum Anfassen - genau diesen Wunsch scheint ein kleiner Ort westlich von Uppsala erfüllen zu können. Knutby heißt das Dorf mit 1 500 Einwohnern, von denen 90 Mitglied der örtlichen Philadelphia Gemeinde sind. Die Pfingstbewegung hat in Schweden rund 100 000 Mitglieder und bekennt sich zum apostolischen Glauben. In Knutby jedoch dominiert seit einigen Jahren eine andere Glaubensrichtung: Die „Braut Christi" soll hier wohnen.

Mit diesem Begriff ist im christlichen Glauben grundsätzlich jeder einzelne Gläubige gemeint - bildhaft. Dass eine 38-jährige Pastorin in Knutby tatsächlich die „Braut Christi" sein soll, bestreiten die anderen Pastoren der Gemeinde. Dennoch ranken sich Gerüchte um die Frau, die seit fast anderthalb Jahren zurückgezogen in Meditation und Gebet lebt und sich und die 90 Gemeindemitglieder auf den jüngsten Tag vorbereitet.

Kriminalfall

Von diesem Sektierertum hätte außerhalb der Pfingstbewegung wohl niemand etwas zur Kenntnis genommen, hätte sich in Knutby nicht eine Mordgeschichte abgespielt, wie man sie so sonst nur aus Krimis kennt:

Liebe, Geld, Macht und das Ganze im religiösen Milieu: Alle Bestandteile, die ein spannendes Drehbuch braucht. Die Hauptpersonen: Ein Pastor, seine Ehefrau, sein Kindermädchen, seine Geliebte und deren Mann. Die Ehefrau ist inzwischen tot, erschossen zu Hause im Bett. Auch auf den Mann der Geliebten wurde geschossen, er überlebte jedoch. Zu Mord und -anschlag bekannte sich eine 26-Jährige, das Kindermädchen im Pastorenhaushalt. Über ihr Motiv aber schweigt die junge Frau.

Die Polizei vermutet, dass eine gehörige Portion Liebe und Eifersucht die 26-Jährige zur Tat getrieben haben. Wahrscheinlich stand sie unter dem starken Einfluss des charismatischen Pastors. Der ist inzwischen wegen Beihilfe zum Mord festgenommen, genauso wie seine Geliebte, die Ehefrau des Mannes, der die Schüsse überlebte.

Sektierertum

Dass in Knutby sechs Pastoren für 90 Gemeindemitglieder zuständig sind, dürfte äußerst ungewöhnlich sein. Ein Pastor für 150 Mitglieder gilt als Faustregel der Philadelphia Gemeinden. Aber wie viele Pastoren eine Gemeinde für nötig hält und vor allem wer diese Ämter ausübt, das bestimmen die Mitglieder. Sie sind nämlich auch für die Finanzierung zuständig. Qualifikationskriterium eines Pfingstpastors ist nicht die theologische Ausbildung. Kurse in Bibelkunde und gute Charaktereigenschaften genügen, um zu predigen.

Rein juristisch können nur die Mitglieder selbst die Gemeinde auflösen, wofür es trotz der Festnahmen im Mordfall keinerlei Anzeichen gibt. Dem Rest der Philadelphia Kirche sind die Hände gebunden, auch wenn die Gemeinde in Knutby von manchen Glaubensbrüdern fast als Sekte betrachtet wird.

Und noch ein anderes schwerwiegendes Problem belastet die Philadelphia Gemeinde in Knutby: Tot ist nämlich auch die erste Frau des Pastors. Vor einigen Jahren wurde sie mit einer Platzwunde am Kopf in der Badewanne tot aufgefunden. Ein tragisches Unglück, befand die Polizei damals. Dieser Fall kann jetzt neu aufgerollt werden.

Liv Heidbüchel

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