Kirche initiiert Boykott israelischer Waren

Die schwedische evangelisch-lutherische Kirche mischt sich in die Weltpolitik ein. Zusammen mit anderen Glaubensgemeinschaften hat sie ein Netzwerk gebildet, das bei der Beendung der israelischen Besetzung palästinensischer Gebiete mitwirken will. Unter anderem fordert das Netzwerk zum Boykott von Waren aus jüdischen Siedlungen in den israelisch besetzten Palästinensergebieten auf.

Darf die Kirche überhaupt bei weltlichen Themen mitmischen? Diese Frage stellt sich nach deutlichen Worten des schwedischen Erzbischofs K. G. Hammar zum Nahostkonflikt. Mit der Kampagne „Hopp" will sich die schwedische Kirche jetzt für mehr Frieden auf der Welt einsetzen will.

Kauft keine Waren aus den Gebieten, die Israel besetzt hat. So lautet das jüngste Gebot von 12 Kirchen und Glaubensgemeinschaften aus Schweden. Organisationen wie die katholische Caritas, Diakonia (eine freikirchliche Organisation für Katastrophenhilfe) und die schwedische Kirche wollen sich mit ihrer Kampagne „Hopp" (Hoffnung) dafür einsetzen, dass die Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel aufhört.

K.G. Hammar, Erzbischof der evangelisch-lutherischen Kirche, dürfte der prominenteste Vertreter des Netzwerkes sein – möglicherweise auch einer der streitbarsten: „Es gibt keinen Frieden, der auf das Recht des Stärkeren baut. Im Nahost-Konflikt erhofft sich die schwedische Kirche mehr Unterstützung durch die EU. Israel und die Palästinenser können den Konflikt nicht selbst lösen, deshalb muss die ganze Welt mithelfen. Und wenn Israel so einseitig von den USA unterstützt wird, so hoffen die Partner aus Palästina, dass die EU das Gleichgewicht wieder herstellt. Dabei hat die Kirche Anteil.“

Hammar kennt die Lage im Nahen Osten aus eigener Erfahrung. In den 60er Jahren war er zunächst ein Anhänger der Linie der USA. Dann öffnete ihm eine Reise in die Palästinensergebiete Augen und Sinne für die Situation der anderen Seite. Im Krieg der USA gegen Afghanistan und den Irak profilierte sich der schwedische Erzbischof als Amerikagegner.

Hammar findet es wichtig, dass die Kirche sich in weltlichen Fragen, wie diesen zu Wort meldet: „Wir mischen uns immer in die Politik ein, denn Politik wird von Menschen gemacht und geht Menschen an. Politik wird oft die Kunst der Möglichkeit genannt. Und diese Möglichkeiten liegen jetzt auf Eis. Trotz der Bemühungen der Politiker, geht es in der Welt immer grausamer zu. Da wollen wir als Kirche auf das Grundproblem hinweisen, das alle anderen auslöst: die Besetzung der Palästinensergebiete. Erst wenn sie beendet wird, besteht die Voraussetzung für einen gerechten Frieden.“

Der Titel der Kampagne schwedischer Glaubensgemeinschaften ist also richtig gewählt: Hoffnung. Und damit diese Hoffnung Wirklichkeit werden kann, wollen sich die beteiligten Organisationen und Verbände dafür stark machen, dass israelische Waren aus den besetzten Gebieten boykottiert werden. Wieviel Einfluss das auf die Weltlage haben wird, bleibt zu beobachten.

Agnes Bührig