Entwicklungsprojekte in Georgien

SIDA, der schwedische Entwicklungsdienst lässt in diesem Jahr seine Programme im Baltikum und in Polen auslaufen, nicht zuletzt wegen der EU-Osterweiterung. Stattdessen wird SIDA künftig verstärkt in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion arbeiten.

Im südlichen Kaukasus, dazu gehören die Länder, Georgien, Aserbeidschan und Armenien stieg das Finanzvolumen von anfangs siebzehn auf 50 Millionen Kronen im letzten Jahr. Um die Kommunikation zwischen den schwedischen und georgischen Partnerorganisationen zu erleichtern, hat SIDA kürzlich ein Regionalbüro in Tbilisi, der Hauptstadt Georgiens eröffnet. Eric Johnsson ist Leiter dieses Büros: „Manchmal gibt es einfach kein Internet, kein Faxgerät und keine Computer. Nicht mal die Telefonleitung funktioniert überall im Land“, fügt er bedauernd hinzu. “Und die Georgier sprechen auch nicht alle Englisch.“

Deshalb war es für SIDA ein glücklicher Zufall, dass Eric Johnsson - mit der Landessprache und der Arbeit in Entwicklungshilfeorganisationen vertraut - bereits vor Ort war: „Ich kam vor 12 Jahren nach Georgien, weil ich an der Sorbonne - neben Wirtschaft und Politik - auch Georgisch studiert hatte. Ich wollte damals als Berater des ersten demokratisch gewählten Präsidenten arbeiten. Dann traf ich dort meine künftige Frau, begann in einer amerikanischen Hilfsorganisation zu arbeiten, vergaß aber nie meine schwedische Herkunft.“

Eric Johnsson ist eigentlich Amerikaner. Seine Eltern sind nach dem zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert. Aber so richtig amerikanisch fühlt er sich nicht, obwohl Englisch seine Muttersprache ist. In Paris war er Mitglied eines schwedischen Vereins und in Georgien gründete er nach der Perestroika den georgisch-schwedischen Kulturkreis. Dafür machte ihn dann die schwedische Botschaft in Moskau zum schwedischen Honorarkonsul in Georgien.

Kinderschutz

Als 1998 die ersten Entwicklungshilfeprojekte von SIDA anliefen, war Johnsson dank seiner Sprachkenntnisse stets mit dabei: „1999 begann SIDA sich in Georgien zu engagieren und das Büro des Ombudsmans zu unterstützen. Besonders die Abteilung für die Sicherung der Rechte der Kinder brauchte schwedische Unterstützung. Man wollte alle Kinder in Georgien registrieren lassen, auch um sie vor Menschenhändlern zu schützen. Wenn die Kinder nicht registriert sind, besteht die Gefahr, dass sie ins Ausland als Haushaltshilfe und zur Feldarbeit geschickt oder zur Prostitution gezwungen werden. Sind sie erstmal weg von zu Hause und ohne Identität, können sie nicht mehr zurück.“

Für solche Projekte wird das Büro des Ombudsmans in Georgien vom Raul-Wallenberg-Institut unterstützt. Überhaupt arbeitet SIDA bei allen Projekten mit schwedischen Partnerorganisationen zusammen. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, sagt Eric Hohnsson. „Das größte Problem in Georgien ist Korruption. Um sie zu bekämpfen, unterstützen wir ein Projekt, das von den Vereinten Nationen verwaltet wird. Wir bessern die Gehälter der Minister und Vizeminister auf, und hoffen, dass sie sich im Kampf gegen Korruption engagieren. 60 Dollar hat ein Regierungsmitglied im Monat früher verdient, jetzt sind es 250 Dollar. Wir hoffen, dass die Arbeit in der Regierung jetzt für Georgier mit guter Ausbildung, die bisher wegen der finanziellen Beschränkung nicht in der Regierung, sondern im privaten Sektor gearbeitet haben, attraktiver wird.“

Bekämpfung der Armut

Zehn Projekte haben SIDA und die Partnerorganisationen seit 1998 in Georgien durchgeführt. Der schwedischen Politik entsprechend, bevorzugt SIDA Projekte, die Gleichberechtigungs-Fragen, Umwelt, Selbstverwaltung, Menschenrechte und Rechte des Kindes berücksichtigen.

Brigitte Wiebahr von SIDA Stockholm, ist für die Region zuständig und hat vor zwei Jahren folgende Strategien zur Entwicklungshilfe im südlichen Kaukasus ausgearbeitet: „Hauptziel im Südkaukasus ist, die Armut zu bekämpfen und Konflikte zu verhindern. In Georgien besteht unsere Arbeit heute aus drei Kategorien. Die erste Kategorie ist die Unterstützung demokratischer Strukturen. Dazu gehören Projekte, die mit Menschrechten zu tun haben, wie Demokratie auf lokaler Ebene, und Projekte, die sich speziell an Frauen wenden. Zur zweiten Kategorie zählt die Verbesserung der Lebensverhältnisse der armen Bevölkerung. Hier engagieren wir uns in der Arbeitsvermittlung, in der Landwirtschaft, konkret in der Milchproduktion, und in der Landvermessung und der Försterei. Die dritte Kategorie betrifft den sozialen Sektor: wir haben ein Projekt, das die Gesundheitsreform unterstützt.“

Vor der „samtenen Revolution" - wie die Ereignisse nach den Parlamentswahlen im November genannt wurden - hatten die großen Geberorganisationen sich eigentlich aus Georgien zurückziehen wollen. Die Kooperation mit der Regierung war zu schwierig, die Korruption zu groß. Seit dem Regierungswechsel weht jedoch ein frischer Wind, den auch SIDA schon zu spüren bekam: „Wir haben noch keine konkreten Veränderungen in der Ausführung unserer Programme feststellen können, aber es ist jetzt viel einfacher, einen Dialog mit der georgischen Regierung zu haben“, meint Brigitte Wiebahr.

Darüber hinaus zeige die neue Regierung Bereitschaft zur Koordination und zu Gesprächen mit allen internationalen Geberorganisationen. Da wird sich auf lange Sicht sicherlich etwas verändern.

Am Budget wird jedoch vorläufig nichts verändert. Erstmal will man abwarten, ob sich die Situation im Kaukasus beruhigt, die neue Regierung in Georgien auch innerhalb der eigenen Grenzen für Stabilität sorgen kann. Erst dann wird SIDA entscheiden, ob sie das Regionalprogramm von Eric Johnsson weiter ausbauen wird.

Daphne Springhorn

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