Behandlung von Prostatakrebs ist Altersfrage

Prostatakrebs wird unnötig oft mit Operation und Strahlentherapie behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie in Schweden. Gleichzeitig sind die Wartezeiten für die Strahlenbehandlungen in Stockholm unakzeptabel lang.

Rund 8 000 Schweden pro Jahr erkranken an Prostatakrebs. Im Allgemeinen werden sie mit Operation oder Strahlentherapie behandelt, nicht selten treten dadurch Nebenwirkungen wie Harninkontinenz und Impotenz auf. Dennoch sind diese schmerzhaften Behandlungen gerade bei Männern unter 65 sinnvoll, stellt eine Langzeitstudie der Universitätskrankenhäuser Stockholm und Örebro fest.

Die Mediziner haben mehr als 200 Patienten über 20 Jahre lang begleitet. Zu Beginn der Studie war die Behandlung von Prostatakrebs in Schweden ziemlich unüblich. Heute entscheidet sich ungefähr jeder neunte Patient für eine Strahlentherapie, jeder sechste wählt die operative Methode.

Behandlung bis zu 65 Jahren

Patienten, deren Lebenserwartung noch mindestens 15 Jahre ist, nützt die Behandlung am meisten, erklärt Hans-Olov Adami, Professor am Karolinska Institutet in Stockholm. „In den ersten zehn bis 15 Jahren der Erkrankung passiert bei Prostatakrebs verhältnismäßig wenig. Wenn man also alle Patienten routinemäßig operiert, behandelt man im Übermaß", erläutert Adami.

Deutlicher gesagt: viele ältere Männer sterben aus anderen Ursachen - noch bevor ihr Prostatakrebs voll entwickelt ist.

Dieselbe Studie kommt aber noch zu einem weiteren Ergebnis: Prostatakrebs entwickelt sich nach rund 15 Jahren wesentlich aggressiver als bisher angenommen. Das Risiko an Prostatakrebs zu sterben verdreifacht sich in diesem Stadium!

Schnelle Therapie entscheidend
Gerade dann ist also der schnelle Einsatz der geeigneten therapeutischen Mittel entscheidend. Ein Einsatz, der sich insbesondere im Einzugsbereich Stockholm um Monate verzögern kann. Der Grund sind Personalmangel und Sparmassnahmen.

Seit die Krankenschwestern keinen Überstundenzuschlag mehr bekommen, arbeiten sie nicht an allen vorhandenen Strahlenkanonen in mehreren Schichten. Noch schlimmer wird die Lage, wenn jetzt die Ferienzeit beginnt, denn in diesem Jahr die Urlaubsvertretungen ersatzlos gestrichen. Die Behandlungskapazität sinkt um fast die Hälfte.

Das Personal ist frustriert und bezeichnet die Wartezeiten als inakzeptabel. Viele Krebspatienten und deren Angehörige sind verzweifelt. Bis zu vier Monate müssen sie auf die heilende Bestrahlung warten! Und ausweichen können sie auch nicht, für die Behandlung außerhalb Stockholms zahlt die Kasse nicht.

Sybille Neveling

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