Woche des Baltikums bei SIDA

SIDA, die schwedische Behörde für Entwicklungshilfe, feiert in dieser Woche den erfolgreichen Abschluss ihrer Tätigkeit im Baltikum. Mit vier Milliarden Kronen hatte SIDA den Übergang der drei baltischen Länder in eine stabile Demokratie und Marktwirtschaft unterstützt. Die Reformen waren so erfolgreich, dass Litauen, Lettland und Estland am 1. Mai der EU beitreten. Ein Grund für SIDA zusammen mit seinen baltischen Partnern zu feiern. Über 70 Veranstaltungen, kulinarische Köstlichkeiten aus dem Baltikum, litauischen Jazz, estnischen Hip Hop und eine Fotoausstellungen konnte man in diesen Tagen im Rahmen der Baltischen Woche besuchen.

Das SIDA-Hauptgebäude - mitten in Stockholm: Staffan Herrström, Leiter der Europa-Abteilung, präsentiert das Buch: „Baltikum-Schweden: eine Begegnung übers Meer". Es dokumentiert Sidas fast fünfzehnjährige erfolgreiche Arbeit im Baltikum. SIDA hat ihr Ziel erreicht, in zwei Wochen gehört das Baltikum zur Europäischen Union. Ein Grund die Weggefährten und Kooperationspartner aus Litauen, Estland und Lettland einmal für eine Woche in Stockholm zu versammeln:

„Ich glaube, in der ganzen Zeit kurz vor unserer Unabhängigkeit bis jetzt kurz bevor wir der EU beitreten, hat Schweden uns Hoffnung gegeben und uns geholfen unsere Hoffnung zu erfüllen“, sagt Valdis Birkvas, amtierender Außenminister und ehemaliger Premier von Lettland.

Für Birkavs war die moralische Unterstützung, die Lettland von Schweden erhalten hat am wichtigsten. Das zeige sich auch an der Zusammenarbeit auf lokaler Ebene. 35 lettische Gemeinden konnten in Schweden Partnerorte finden. Auch der estnische Staatspräsident, Lennart Meri, vertreten durch den estnischen Botschafter in Stockholm, ist voll des Lobes über die moralische Unterstützung, die sein Land von Schweden erhalten hat.

Nur Vytautas Landesbergis, 1990 der erste Präsident des unabhängigen Litauens, erlaubt sich zur Feierstunde auch ein kritisches Wort. Schweden habe zu lange gezögert, die Unabhängigkeit Litauens anzuerkennen. „Es gab eine Zeit, in der wir vergessen haben, das Schweden ein Nachbarland ist“, bedauert er. „Kein distanziertes, westliches Land. Ein Nachbarland auf der anderen Seite des Meeres. Nun ist diese Nachbarschaft neu belebt, vor allem durch Kooperation auf lokaler Ebene durch regierungsunabhängige Organisationen, Gemeinden, Kommunen. Es ist wichtig für die Litauer Freunde zu finden, sich als Freunde zu fühlen und sich selbst innerhalb der europäischen Familie wieder zu finden.“

Das Baltikum ist in Europa angekommen, doch nicht allein durch westliche Hilfe. Ohne die internen Kräfte, die Unabhängigkeitsbewegung, der Wille zur Demokratie, zu einer freien Marktwirtschaft, hätten die baltischen Ländern es nie geschafft, das sowjetische Erbe so schnell hinter sich zu lassen.

„Diese Übernahme von Verantwortung war die Basis dieser Entwicklung. Wir haben Unterstützung von Aussen geben, aber die Entwicklung wäre nie so gewesen, wenn die baltischen Ländern nicht selbst so viel Verantwortung übernommen hätten“, resümiert Staffan Herrström, Leiter der Europa-Abteilung bei SIDA, den Erfolg.

Zum einen waren die baltischen Ländern bereit Verantwortung zu übernehmen, zum anderen hatten sie aber auch Europa als Ziel vor Augen: das heisst sie mussten die Forderungen der Europäischen Union erfüllen, um beitreten zu können. Das Land in eine stabile Demokratie überführen, staatstragende Institutionen und einen funktionierenden Markt aufbauen.

Jetzt, wo sie bald Mitglieder der EU sind, könnte der Wille zu Reformen wieder abnehmen, gibt Eric Berglöf zu bedenken. „Das kann besorgniserregend sein, weil noch viel gemacht werden muss in der Entwicklung von Rechtsstaatlichkeit und der Bekämpfung von Korruption. Man muss Druck machen, damit die Reformen weiterlaufen und ich glaube, dass dieser Druck intern auf lokaler Ebene mobilisiert werden muss. Neue Gruppen wie kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Konsumenten müssen stärkere Einflussmöglichkeiten bekommen.“

Als Direktor des Stockholmer Instituts für osteuropäische Wirtschaft, kennt Eric Berglöf die Schwierigkeiten, mit denen die baltischen Länder noch zu kämpfen haben.

Langweiliges Land

Valdis Birkavs, der lettische Außenminister nimmt diese Ermahnung mit Humor: „Es gibt so einen selbstironischen Spruch bei uns im Baltikum: Was würden wir gerne werden? Ein langweiliges nordisches Land! Mir scheint, dass wir noch lange nicht langweilig sind. Wir haben immer noch viel Enthusiasmus und Kreativität. Die wollen wir in die EU mit einbringen und ich hoffe, dass wir dort noch für positive Aufregung sorgen werden.“

Überhaupt zeigten sich die ehemaligen Adoptivkinder der schwedischen Außen- und Entwicklungspolitik überaus selbst bewusst. An ihrer Steuerpolitik wollen sie festhalten. Sie denken gar nicht daran die Steuern anzuheben, soll doch Schweden seine Steuern senken! Und als der Moderator die Landesvertreter aus Estland, Lettland und Litauen fragte, welche Themen man wohl in 15 Jahren in dieser Runde debattieren werde, waren sich die Balten einig: den Beitritt Schwedens.

Daphne Springhorn

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