Überlebenskampf bei LO

Der schwedische Gewerkschaftsbund LO steckt in der Krise. Mitgliederschwund, Finanzprobleme und innere Zerstrittenheit setzten dem gröβten Arbeitnehmerverbund Schwedens in jüngster Zeit schwer zu. Aber auf dem Jahreskongress in Stockholm wollte die Gewerkschaft Einigkeit demonstrieren. Zu allen wichtigen Fragen des schwedischen Politikalltags bezog LO mehr oder weniger einstimmig Stellung. Doch es ging nicht zuletzt um das eigene Überleben.

Schwedens größter Gewerkschaftverbund wollte vor allem eines zeigen: LO hat in allen wichtigen politischen und sozialen Fragen ein Wort mitzureden. Diesen Eindruck zumindest versuchte Vanja Lundby-Wedin zu vermitteln, die in Stockholm für vier weitere Jahre an die Spitze von LO gewählt wurde.

Tatsächlich ging es auf dem Kongress aber in erster Linie um LO selbst - für Lundby-Wedin kein Widerspruch. „Es war sehr wichtig, unseren Schwerpunkt auf das Recht auf sichere und angemessene Arbeit zu richten. Außerdem haben wir zum ersten Mal deutlich hervorgehoben, dass unsere Arbeit auch eine internationale Dimension besitzt."

Knapp zwei Millionen Mitglieder hat Schwedens großer Gewerkschaftsdachverband. Fast jeder vierte Schwede ist also Mitglied. Noch. Denn hauptsächlich hatte LO auf seinem Kongress mit eigenen Befindlichkeiten zu ringen. Zu inhaltlichen Auseinandersetzungen kam es unter den 300 Delegierten jedoch nicht. So debattierten einige der 16 Verbände etwa über die Frage, ob man eine Volksabstimmung über die EU-Verfassung fordern solle. Befürworter eines Volksentscheids führten ins Feld, die Gewerkschaft müsse dadurch deutlich machen, dass sie demokratisch-kritische Prinzipien unterstütze. Gewerkschaftschefin Lundby-Wedin wiederum führte an, LO dürfe keinem Populismus verfallen und sollte stattdessen lieber zu Arbeitnehmerfragen klar Stellung beziehen. Am Ende setzte sich die Führung durch.

Überhaupt waren die Tagungsmitglieder bemüht, Einhelligkeit zu signalisieren. Ideologische Grundsatzdebatten hätten LOs Bild in der Öffentlichkeit nur weiter ramponiert, warnten einzelne Gewerkschaftler hinter vorgehaltener Hand.

So begnügte sich LO damit, bekannte Kernfelder zu besetzen. Die Mitglieder des Kongresses verabschiedeten Erklärungen, in denen sie die Lohngleichstellung von Frauen, mehr Arbeitskräfte und geringere Einkommenssteuern für durchschnittliche Arbeitnehmer forderten. Ob LO auf diese Weise wieder zum bedeutenden Akteur auf Schwedens Politikbühne avanciert, bleibt abzuwarten. Kritiker bemängeln jedoch, wenn die Gewerkschaft jetzt keine grundsätzlicheren Fragen aufgreift, wird LO in den nächsten Jahren in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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