Ghezali nach Schweden entlassen

Der schwedische Guantanamo-Häftling ist frei. Nach 908 Tagen Haft auf der US-amerikanischen Militärbasis auf Kuba wurde Mehdi Ghezali heute entlassen. Lange hatte sich die schwedische Regierung für den mutmaßlichen Terroristen engagiert und von der Regierung Bush gefordert: Entweder müsse Ghezali vor ein Gericht gestellt oder freigelassen werden.

Dass Bewegung in den Fall kommen würde, war schon vergangene Woche abzusehen. Der Oberste Gerichtshof der USA entschied: Die 600 Guantanamo-Gefangenen haben Anspruch auf ein ordentliches rechtsstaatliches Verfahren. Seitdem haben bereits etliche Häftlinge vor US-Gerichten über ihre Festnahme und die Haftbedingungen geklagt.

Dass jetzt auch der einzige schwedische Guantanamo-Häftling aus der Haft entlassen wurde, wertet Außenministerin Laila Freivalds als Sieg der schwedischen Diplomatie. Gegenüber der Nachrichtenagentur TT sagte sie, dass die Bush-Regierung offenbar nicht genug gegen den mutmaßlichen Terroristen in der Hand habe. Gleichzeitig drückte Freivalds auch Erleichterung aus. Denn Schweden hatte seit der Inhaftierung Ghezalis wiederholt Kritik am Vorgehen der US-Regierung geübt. Auf allen diplomatischen Ebenen hatte es Verhandlungen gegeben.

Auf freiem Fuß

Ebenfalls erleichtert über die Entscheidung des Pentagons zeigte sich verständlicherweise der Anwalt Ghezalis, Peter Althin. Gegenüber TT sagte er, es werde ein kurzes Verhör mit Ghezali nach seiner Ankunft in Schweden geben. Dann jedoch werde er auf freien Fuß gesetzt - wie vor ihm schon die britischen Gefangenen bei ihrer Rückkehr nach Großbritannien. Schließlich liege aus Sicht der schwedischen Behörden nichts gegen seinen Mandanten vor, sagte Althin.

Der Vater von Mehdi Ghezali äußerte sich bislang zurückhaltend. Er hatte in den vergangenen Jahren die schwedische Regierung immer wieder mit Hungerstreiks und Aktionen gedrängt, sie möge sich mehr für seinen inhaftierten Sohn einsetzen. Der Vater des ehemaligen Häftlings betonte, er sei Göran Persson dankbar für dessen Einsatz in dieser Angelegenheit. Persson selbst wollte sich zur Entscheidung des Pentagons jedoch bislang nicht äußern.

Liv Heidbüchel

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