70 Jahre Schwimmabzeichen

„Pack die Badehose ein" hieß der Sommerschlager der Fünfziger. Doch Schwimmen konnten damals längst nicht alle Deutschen. Das „Freischwimmerabzeichen" wurde damals erst eingeführt - auf eine Privatinitiative hin. Hallenbäder gab es kaum, die Seebäder waren gefährlich, die Zahl der Ertrunkenen nahm stetig zu.
In Schweden wurde „Simborgarmärket“, die schwedische Entsprechung des Freischimmers bereits am 8. Juli 1934 eingeführt.

Ein Nachmittag im Sjöängsbadet. Die Schwimmlehrerin Ingrid Avelin setzt sich mit einer Gruppe Kinder an den Strand, zeigt einige Schwimmzüge und erklärt die Schwimmregeln. „Darf man alleine ins Bad gehen“, fragt sie anschließend. Die einstimmige Antwort der Kinder: „Nööö“.

In Schweden gibt es fast 100 000 Seen und Gewässer, zusätzlich eine lange Meeresküste. Da ist schon ratsam, so früh wie möglich schwimmen zu lernen. Am besten gleich draußen - nicht erst im Schwimmbad. Unzählige Schwimmkurse werden von Ferinehausgemeinschaften allsommerlich im kalten Ostseewasser abgehalten. Das ist eine jahrzehntelange Tradition.

Baden im See

Im Schwimmbassin merken die Kinder sich, dass der Grund weiß und alles begrenzt ist, erklärt Avelin. Wenn die Kinder, die nur Schwimmbäder kennen, draußen ins dunkle Wasser fallen, wo sie den Grund nicht sehen können, bekommen sie Angst und verkampfen sich beim Schwimmen. Wer gleich draußen zu schwimmen anfängt, lernt, dass das dunkle Wasser nicht gefährlich ist.

Wie die kleine Rosa. Zuerst dachte sie, dass es Krokodile im Wasser gibt, dann ist sie Stück für Stück auf den See hinausgeschwommen, hat ihre Angst überwunden und zum Schluss sogar ein kleines Schwimmabzeichen bekommen. Simborgarmärket erhält, wer 200 Meter schwimmen kann.

Vorbilder

Eingeführt wurde diese schwedische Freischwimmerprüfung 1934 vom Sportjournalisten David Jonason. Er wollt etwas gegen die große Zahl von Ertrunkenen tun, und verfasste einen landesweiten Aufruf: jeder Schwede, egal welchen Alters, solle jedes Jahr seine Schwimmkenntnisse überprüfen. 200 Meter unter Aufsicht. Wer die Prüfung bestand, durfte sich das Schwimmabzeichen, „Simborgarmärket“, kaufen. Jedes Jahr gab es eine andere Farbe, eine andere Form. Unterstützt wurde Jonason von Sven Jerring, besser bekannt als „Farbror Sven", der berühmtesten Stimme vom schwedischen Rundfunks. In einer Life-Sendung erschwammen sich die beiden Journalisten ihr erstes Simborgarmärket und von da wollten alle Schweden diese Abzeichen machen:

„Vorbilder sind natürlich wichtig“, meint Anders Wernesten von der Lebens-Rettungs-Gesellschaft. „Der König ist der prominenteste Unterstützer des Schwimmabzeichens. Lange haben er und seine Familie jedes Jahr Simborgarmärket gemacht, Fotos geschossen und publizieren lassen. Er ging mit gutem Beispiel voran. So jemanden vermissen wir heute.“

Durch den jährlichen Verkauf von Simborgarmärket konnte die Ausbildung von Schwimmlehrern finanziert werden. Wie Ingrid Avelin vom Sjöängsbad unterrichten die Schwimmlehrer in den so genannten Sommerschwimmschulen, doch die werden in den letzten Jahren nicht mehr so gut besucht. Und das obwohl in der fünfte Klasse eigentlich alle Schüler schwimmen können sollten.

Weniger Schwimmer

Die schwedische Lebens-Rettungs-Gesellschaft hat festgestellt, dass immer mehr Kinder gerade mal 25 Meter schaffen: „Das hat unterschiedliche Gründe. Einmal haben früher mehr Kinder in der Schule schwimmen gelernt. Schwimmen gehörte zu den Schulfächern, die benotet wurden. Nun haben wir keine Noten mehr dafür und nimmt die Schwimmfähigkeit ab. Zusätzlich gibt es auch eine Menge Kinder, die die Möglichkeit schwimmen zu lernen, gar nicht erst erhalten: die einen können freiwilligen Schwimmunterricht nicht bezahlten, die anderen kommen aus Kulturen, in denen Schwimmkenntnisse nicht gefragt sind.“

Im Sjöängsbad vermittelt Ingrid Avelin jedoch nicht nur Schwimmkenntnisse, sondern auch Baderegeln, ohne die würde es an schwedischen Seebädern nämlich recht chaotisch zugehen: „Zuerst den Badeanzug ausziehen und dann erst das Handtuch zu benutzen“, meint die fünfjährige Wilma. Ihre Freundin Rosa ist zwei Jahre älter und hat gelernt, dass man nicht den Kopf von einem anderen unter Wasser drücken und niemanden ins Wasser werfen darf.

Daphne Springhorn

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