DNA-Analyse kann Verjährungsfrist verlängern

Nicht zuletzt der Mordfall Anna Lindh hat gezeigt: Die DNA-Analyse hilft, schwere Verbrechen aufzuklären. So konnte die neue Technik den Mörder der Außenministerin aufgrund von Spuren an Tatwaffe und Kleidung überführen. Aber die DNA-Analyse greift auch bei Verbrechen, die schon etliche Jahre zurück liegen. Mit der Diskussion um die Ausweitung eines DNA-Registers rückt auch ein anderes Thema wieder auf die Tagesliste von schwedischer Polizei und Politik: Die Verjährungsfrist. Bislang beträgt sie für Mord 25 Jahre. Doch jetzt werden immer mehr Stimmen laut, die Verjährungsfrist - besonders bei schweren Verbrechen zu verlängern.

Lange hielt sich Justizminister Thomas Bodström bedeckt mit Aussagen zur Verjährungsfrist. Nun hat er einen Schritt auf diejenigen zugemacht, die schon länger eine Ausweitung der Verjährungsfrist fordern.

Auf eine genaue Zahl will sich Bodström allerdings noch nicht festlegen: „Dafür ist es noch zu früh. Zum einen ist noch nicht klar, wie wir mit der neuen Technik umgehen sollen, und zum anderen arbeiten wir an einer Ausweitung des DNA-Registers. Ich bin der Meinung, die Verjährungsfrist sollte verlängert werden."

Alte Fälle

Eine Ursache von Bodströms Sinneswandel ist sicher der kriminaltechnische Erfolg bei einem Fall, der die schwedische Polizei fünfzehn Jahre beschäftigte: Mit Hilfe von DNA-Tests wurde kürzlich ein 52-jähriger Mann verhaftet. Ihm werden Vergewaltigung und Mord einer Zehnjährigen zur Last gelegt. Die vor 15 Jahren gesicherten Spuren einer mikroskopisch kleinen Menge Spermas reichten für den DNA-Vergleich aus. Und eine neuerliche Blutprobe des Verdächtigen brachte endgültige Gewissheit. Jede Unschuldsbeteuerung des Mannes scheint zwecklos.

Der Vorteil von DNA-Tests bei der Überführung von Tätern liegt auch für den Juristen Thomas Bodström klar auf der Hand: „Mit Hilfe der neuen Technik lassen sich lange zurückliegende Mordfälle lösen. Und im Gegensatz zu Zeugen, ist die DNA nicht vergesslich."

Labor in Birmingham

Die DNA-Analyse steckt in Schweden noch in den Anfängen. Sowohl im Fall des 52Jährigen als auch im Mordfall Anna Lindh übernahm ein kriminaltechnisches Labor in Birmingham die Untersuchungen. Mit der fortschreitenden Entwicklung der DNA-Technik können viele Verbrechen vermutlich früher als bisher aufgeklärt werden. Umstritten ist dabei die Frage, wie mit den verschiedenen DNA-Dateien umgegangen werden soll. Derzeit gibt es zwei Dateien: In der einen befinden sich rund 9 000 DNA-Profile unbekannter Täter. In der anderen Kartei liegen etwa 2 600 Profile von der Polizei bekannten Tätern, deren Vergehen mit mindestens zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Wer seine Strafe abgesessen hat, wird nach weiteren zehn Jahren aus der Personendatei gestrichen.

Aus der Polizeidirektion und auch von Seiten der Politiker mehren sich die Stimmen, das Register auf alle Verbrecher auszuweiten, deren Tat zu einer Gefängnisstrafe führen würde.
Wenn das DNA-Register auch zukünftig so effektiv arbeitet wie im jüngsten Fall, könnte die Verjährungsfrist an Bedeutung verlieren. Denn Mordfälle lassen sich dann wahrscheinlich vor der kritischen Zeit von 25 Jahren lösen.

Doch Justizminister Thomas Bodström meint: „Es ist durchaus möglich, dass Verbrechen grundsätzlich schneller aufgeklärt werden. Aber auch in Zukunft kann die Aufklärung eines Falles vom Zufall abhängen, zum Beispiel wenn eine Person wiederholt Verbrechen begeht. Und da hilft es, wenn man die DNA auch Jahre später noch vergleichen kann."

Vielleicht können die Schweden mit Hilfe der DNA-Analyse auch einem nationalem Trauma beikommen: Der Mörder des 1986 erschossenen Ministerpräsidenten Olof Palme ist noch immer nicht gefasst. Die Beweise gegen den Hauptverdächtigen waren bislang nicht ausreichend. Ein Vergleich der DNA des Mannes mit den gesicherten Spuren auf Olof Palmes Kleidung könnte Aufschluss bringen.

Liv Heidbüchel

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