Streetlife in der Altstadt

Mitte Juni ging in Schweden die Schule zu Ende, für die Kinder Grund zum Feiern, für die Eltern Grund zum Verzweifeln. Wer hat schon die Möglichkeit zwei Monate Urlaub zu nehmen? Zwar können sich die meisten Eltern ein paar Wochen im Juli frei nehmen, aber wohin mit den Kindern in der restlichen Zeit? Vor 15 Jahren war diese Periode er Aufsichtslosigkeit noch ein großes Problem, doch mittlerweile gibt es ein umfangreiches Freizeitangebot, das die Kinder den ganzen Sommer auf Trab hält. Ganz neu in diesem Jahr, das Projekt STREETLIFE. Damit sollen die Teenager an den Kai in der Altstadt gelockt werden.

Peter hat es geschafft. Der blonde Junge ist die 14 Meter hohe Kletterwand zügig hinaufgeklettert. Jetzt hat er wieder festen Boden unter den Füßen. Bereits vor zwei Tagen habe er einmal die Wand erstiegen, erzählt der Zwölfjährige. Er mag die Berge und gehe auch regelmäßig klettern.

Peter ist nicht der Einzige, der es bis oben geschafft hat. Der kleinen Sara mit dem dunklen Kopftuch zum Beispiel ist es auch schon gelungen. Es sei ihr ziemlich schwer gefallen, manchmal habe sie sich nur mit den Fingern richtig festhalten können, gesteht sie. Trotzdem will sie noch mal hoch.

Angst vor einem Absturz scheinen die Jugendlichen nicht zu haben. Die Betreuer achten auch darauf, dass niemand ohne Sicherheitsgurt die Wand hochklettert.

Wer keine Lust auf Bergsteigen hat, kann Basketball oder Bandy spielen. Natürlich nur, wenn das Wetter schön ist: Kletterwand, Basketball- und Bandyplatz befinden sich nämlich im Freien. Wenn es regnet, kann man sich in einem großen weißen Zelt unterstellen, richtig gemütlich ist es da jedoch nicht.

Zwei Organisationen: Human Rights und Fryshuset – haben diese Art der Begegnungsstätte aufgebaut. Einmal mitten in der Stockholmer Altstadt, gleich gegenüber vom Schloss und dreimal in den Vororten.

Die Altstadt ist nicht gerade als Treffpunkt für Kids bekannt. Warum hat STREETLIFE gerade hier seine Zelte aufgeschlagen? „Die Jugendlichen, die hier her kommen, kommen aus allen Stadtteilen, aus ganz unterschiedlichen Familien“, erzählt Anja Gröndal, die Projektleiterin. „Hier treffen sich Kurden, Eritreans, Iraner und Schweden um miteinander zu spielen.“

Bereits seit 1997 existiert das Projekt STREETLIFE, doch erst in diesem Jahr haben die Sozialarbeiter ihre Zelte gegenüber dem königlichen Schloss aufgeschlagen.

„Wir hatten früher auch andere zentrale Treffpunkte. 1997 stellte man fest, dass mit dem Beginn der Sommerferien die Kriminalitätsrate bei Jugendlichen sprunghaft ansteigt. Mit unseren Angeboten wollen wir die potentiellen Straftäter von der Straße wegholen und für sportliche Aktivitäten, Wettkämpfe und Turniere interessieren. Bisher wurden unsere Veranstaltungen auch gut angenommen. Ob sich das auch positiv auf die Kriminalstatistik auswirkt, kann man allerdings vorläufig noch nicht feststellen.“

Draußen vor dem Zelt spielen ein paar dunkelhäutige Schweden Basketball, doch längst nicht alle Plätze sind besetzt. Der Regen und die Kälte motivieren nicht gerade zu Aktivitäten im Freien. Die Programme in den Vororten dauern noch bis Mitte August.

Daphne Springhorn

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