Mehr Engagement im Sudan

Schweden verstärkt jetzt sein Engagement im Sudan. Heute fordert das Außenministerium ein entschiedeneres Eingreifen der Vereinten Nationen gegen die Greultaten in der Krisenprovinz Darfur. Gestern wurde bekannt, dass erstmals nach 35 Jahren wieder ein schwedischer Diplomat das Land in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum vertreten wird. Gleichzeitig werden weitere Mittel zur humanitären Unterstützung der Bevölkerung der Provinz Darfur angekündigt.

Schwedens neuer Mann im Sudan heißt Jens Odlander. Bisher war er ein enger Mitarbeiter von Ministerpräsident Göran Persson. Ab September wird er Schweden als einziger Diplomat in Khartoum vertreten. „Bisher haben wir Schweden unsere Kontakte mit Sudan ja über unsere Vertretungen in Kairo und Adis Abeba gehalten. In Khartoum fangen wir erstmal klein an und eröffnen ein Büro. Dort bin ich zunächst alleine, die Verantwortung für die Tätigkeit hat die schwedische Botschaft in Adis Abeba. Schweden hat ein humanitäres und ein politisches Interesse am Sudan“, betont Odlander im Gespräch mit Radio Schweden.

Anlass für die Neueröffnung der Botschaft ist das Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung und der SPLA-Guerilla im Süden des afrikanischen Landes. Der Bürgerkrieg im Sudan ist einer der langwierigsten Konflikte der Welt, mit ungefähr zwei Millionen Toten und mehr als vier Millionen inländischen Flüchtlingen. Während zwischen der Regierung im Norden des Landes und den SPLA-Rebellen im Süden Friedensverhandlungen geführt wurden, entwickelte sich der Konflikt in der Provinz Darfur im Westen zu einer der größten humanitären Katastrophen der Welt.

Schwedische Mittel

Entwicklungshilfeministerin Karin Jämtin unterstreicht das schwedische Engagement: „Wir halten zurzeit weitere 30 Millionen Kronen - rund 3 Millionen Euro - für die Region Darfur bereit. Für schwedische Verhältnisse ist das viel Geld, insgesamt 20 Millionen Euro in einem halben Jahr. – Im Verhältnis zu dem was die Notleidenden brauchen ist es andererseits natürlich wenig.“

Nach den Berichten der Vereinten Nationen und verschiedener Menschenrechtsorganisationen ermorden, vergewaltigen und vertreibn Angehörige der arabischen Janjawid-Miliz die ländliche Bevölkerung der Provinz Darfur. Bei ihren Greultaten hat die Miliz die Unterstützung der sudanesischen Regierung. Nach Schätzungen sind bisher 30.000 Menschen in Darfur ums Leben gekommen. 2,2 Millionen dort benötigen dringend Lebensmittel, Medikamente und Zelte. Die lebensnotwendigen Hilfssendungen jedoch erreichen die Bedürftigen nicht, weil die Miliz das verhindert.

Beiom Helfen helfen

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat der sudanesischen Regierung in der vorigen Woche ein einmonatiges Ultimatum gestellt, die Menschenrechtsverbrechen an der schwarzafrikanischen Zivilbevölkerung in Darfur zu beenden. Wenn dies nicht geschehen sollte, werde die internationale Gemeinschaft „Maßnahmen" ergreifen. Die Hilfsorganisationen berichten jedoch weiterhin davon, dass Polizisten Flüchtlinge misshandeln und dass Konvois mit Hilfsgütern angegriffen werden.

Darüber, was ein einzelner Diplomat im Sudan zurzeit ausrichten kann, macht sich der neue schwedische Botschafter Jens Odlander keine Illusionen. „Dort gibt es einen ganzen Ozean des Leidens. Ich kann keine Großtaten vollbringen, aber ich kann vielleicht bei dem helfen, was schon getan wird. Politische Probleme lösen, dafür sorgen, dass die Hilfsgüter auch wirklich ihr Ziel erreichen“, hofft Odlander. „Meine Arbeit wird zunächst sehr praktisch sein, vor allem was Darfur anbelangt. Die Menschen dort haben eine ganze Ernte eingebüsst und ihre Lebensgrundlage verloren.“

Sybille Neveling

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