Fußball-WM für Obdachlose

Heim- und Mittellose aus aller Welt haben sich aufgemacht nach Südschweden. Insgesamt 28 Teams von allen Kontinenten nehmen an der zweiten Fußballweltmeisterschaft für Obdachlose teil. In Göteborg kicken sie seit dem vergangenen Wochenende um die Wette, machen auf ihre schwierige Situation aufmerksam, und einige von ihnen stellen nebenbei auch noch ihre nationale Ehre wieder her.

Gleich zu Beginn der Spiele erlebte das Publikum auf dem vollbesetzten Götaplats eine legendäre Begegnung: Wie bei der vergangenen Europameisterschaft traf England auf Portugal. Und anders als die hochbezahlten Beckhams der englischen Nationalmannschaft ließ sich die Obdachlosen-Mannschaft diesmal nicht von den Portugiesen aus dem Rennen schießen. England siegte drei zu zwei.

Doch eigentlich, meint ein Göteborger Zuschauer, würden bei der Obdachlosen-WM alle Teams gewinnen. „Ich finde es wunderbar, dass die Leute zusammenkommen, und Aufmerksamkeit kriegen. Die haben es doch so schwer!“ „Es ist tragisch“, meint ein anderer, „dass erst so eine Veranstaltung her muss, um auf diese Leute aufmerksam zu machen.“

Interesse wecken

Aufmerksamkeit zu schaffen für die Anliegen der Wohnungslosen ist nur eines der Ziele, das die Betreiber mit der WM verfolgen. Die Lebenssituation der Beteiligten soll sich konkret verbessern, Pro Poor Sports heißt der Verband, der sich das auf die Fahnen schreibt. Finanziert durch Sponsoren organisiert er die Spiele im Auftrag des Internationalen Netzes der Straßenzeitungen. Sitz des Unternehmens ist Graz in Österreich, wo die Obdachlosen-Fußball-Weltmeisterschaft 2003 zum ersten Mal ausgetragen wurde.

Damals habe sich für zwei Drittel der Spieler tatsächlich das Leben verändert, erzählt Pro Poor Sports Direktor Harald Schmied: „Eine Hoffnung für alle, die in diesem Jahr den Weg nach Göteborg gefunden haben. Doch auch ein Ticket zur Fußball-WM für Obdachlose kostet Geld, und davon haben die Beteiligten verständlicherweise wenig bis gar keins. Wer mitmachen will, braucht Sponsoren, und das sei Hürde und Chance zugleich, sagt Harald Schmied.

Hauptsache Spaß

Neben der japanischen Mannschaft nehmen auch Wohnungslose aus Südafrika, den USA, Spanien und Deutschland teil. Die mittellosen Teutonen verloren übrigens gleich am ersten Spieltag bei strömendem Regen 3 zu 7 gegen den Gastgeber Schweden.

Aber dabei sein ist alles, versichert Karina Lindberg, Redakteurin des Göteborger Szenemagazins Faktum, das die WM auf schwedischer Seite vorbereitet hat. „Es soll vor allem Spaß bringen“, meint sie, „denn auch Spaß gehört zum Leben."

Jan Graf

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista