Enttäuschung im Frauenfußball

Nach dem Goldrausch der schwedischen Leichtathleten vom Wochenende blickte die Nation gespannt auf das Halbfinale der Fußballfrauen: die schwedische Mannschaft, immerhin amtierende Vize-Weltmeister, sollten für weiteren Medaillenruhm sorgen. Doch der Gegner war einfach zu stark: gegen das Team aus Brasilien waren die Schwedinnen nahezu chancenlos.

Nicht ein einziges Mal landete der Ball im Tor der Brasilianerinnen. Dafür einmal hinter der schwedischen Torlinie, und das reichte, um eventuelle Träume auf Silber oder gar Gold zu begraben.

Torhüterin Caroline Jönsson traf beim 1:0 nicht mal die größte Schuld, doch räumte sie nach dem Spiel ein: „Es ist natürlich immer schwer, wenn man verliert. Ich meine, wir haben zwar gut gekämpft das ganze Spiel, aber die anderen waren so präsent, dass es uns schwer fiel, unser Spiel zu finden. Es hat leider nicht gereicht."

Zu defensiv

Wohl wahr. Nicht, dass die Schwedinnen besonders schlecht gespielt hätten, aber sie spielten auch nicht sonderlich gut. Überdeutlich wurde: ihnen fehlte der Mut, aggressiv zu spielen. Das taten die Brasilianerinnen und gewannen. Mittendrin und vorne gut dabei, die 18-jährige Marta Viera da Silva. Gerade in dieser Saison angeheuert beim UEFA-Cup-Sieger Umeå IK: „Sehr gutes Spiel. Brasilien war sehr gut. Schweden ist okay. Hanna Källström attackierte viel, das tat dann schon etwas weh. Aber Brasilien ist im Finale!"

Ausgerechnet Marta nämlich hatte die entscheidende Vorlage für das 1:0 gegeben. Denn Marta schmückt den nordschwedischen Klub Umeå außerordentlich, ihre Tore haben dazu beigetragen, dass Umeå die beste europäische Frauenmannschaft wurde.

Das schwedische Nationalteam hingegen blieb den Beweis solcher Stärke schuldig. Weshalb nach dem Spiel etwas für schwedische Verhältnisse Außergewöhnliches passierte: es gab eine Rücktrittsforderung.

Der Fußballchronist der Tageszeitung „Dagens Nyheter" forderte, Nationaltrainerin Marika Dymanski Lyfors solle abtreten. In Schweden sind eher Trainerrücktritte ungewöhnlich. Ob sich weitere dieser Forderung anschließen, hängt nun vor allem vom Ausgang des nächsten Spiels ab. Denn eine Chance bleibt noch: Deutschland im Kampf um die Bronzemedaille zu besiegen. Die Revanche: Weltmeister gegen Vizeweltmeister.

Katja Güth

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