Familienwohnungen im Krankenhaus

Die schwedische Gesundheitsversorgung steht seit Jahren in der Kritik. Massive Einsparungen haben vor allem bei den Krankenhäusern deutliche Spuren hinterlassen. Doch es gibt auch Ausnahmen. Das Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus in Stockholm zum Beispiel zählt zu den besten Krankenhäusern Nordeuropas - nicht nur wegen seines medizinischen Angebots. Eine ganze Familieneinrichtung macht es möglich, dass Eltern und Kind während der Behandlungszeit zusammen sein können. Und angeblich werden mit dem Projekt langfristig auch noch Kosten gespart.

Sechster Stock eines Hochhauses im Stockholmer Vorort Solna. Wenn man aus dem Fahrstuhl hinaustritt, steht man am Ende des langen Flurs, von dem links und rechts 17 Zimmer abgehen. Die Wände sind pastellfarben, die Türen dunkelrot gestrichen. Mehrere Holzbänke und Blumenkästen lassen den langen Gang noch etwas freundlicher erscheinen. Wir befinden uns in einer ganz speziellen Krankenhausabteilung, hier liegen die Familienwohnungen des Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhauses.

Gunilla Enberg betreut die Familienetage seit ihrer Eröffnung 1999: „Unsere Einrichtung steht den Angehörigen aller Abteilungen offen. Und wir können Gäste aus ganz Schweden aufnehmen, sei es aus Ystad in Südschweden oder Haparanda im Norden. Aus der Region Stockholm kommen gerade mal 40 Prozent der Angehörigen."

Aus ganz Schweden

Die Gäste, das sind in der Regel Mutter, Vater und Geschwister von schwerkranken Kindern aus dem ganzen Land, die im Astrid-Lindgren-Krankenhaus behandelt werden. Denn die 17 Familienzimmer sind Teil einer regelrechten Philosophie, die im Kinderkrankenhaus regiert. Das kranke Kind steht im Zentrum, alle Ärzte, alle Therapeuten kommen zu ihm. Und dank der Elternwohnungen im sechsten Stock können sogar die Eltern immer in der Nähe des Kindes sein.

Selbst für ein so kinderfreundliches Land wie Schweden ist das eine einzigartige Einrichtung. Und mit jährlichen Kosten in Höhe von umgerechnet rund 500 000 Euro kein unbedeutender Posten im Krankenhausbudget.

Kostensparend

Doch trotz andauernder Einsparungen auf dem medizinischen Sektor ist Gunilla Enberg überzeugt, dass ihre Familienetage bestehen bleibt: „Alles in diesem Land ist theoretisch von Sparmaßnahmen bedroht. Aber unsere Kinderkrankenpflege ist nun einmal gratis. Das heißt, nicht die Eltern selbst, sondern die Kommunen tragen die Kosten von 750 Kronen pro Nacht für die Eltern und damit letztlich wieder die Steuerzahler. Diese Einrichtung wird man in einem Land wie Schweden nicht schließen."

Der Betreiber des Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhauses, die Karolinska Universitätsklinik, rechnet sogar vor, dass dank ihrer Familienwohnungen mit Bad, Küche und Waschraum langfristig sogar Kosten gesenkt werden können. Dadurch dass die ganze Familie bei dem erkrankten Kind sein kann, wird es auch schneller gesund und kann folglich schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ausschlaggebend für das Projekt Familienwohnungen ist also nicht nur reine Kinderfreundlichkeit.

Noch hat das Projekt in Schweden keine Nachahmer gefunden. Doch, gibt Gunilla Enberg zu bedenken, anhand der dankbaren Blicke der Eltern kann man sehen, dass das, was sie hier auf der Familienetage machen, richtig ist: „Wirklich alle Eltern sind unglaublich dankbar. Alle zeigen eine große Wertschätzung dafür, dass sie bei ihren kranken Kindern sein können."

Alexander Schmidt-Hirschfelder

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista