Menschliche Entwicklung: gut

Kulturelle Freiheit ist die Voraussetzung für die menschliche Entwicklung. Das ist die zentrale Aussage des diesjährigen UN-Berichtes über die menschliche Entwicklung. Das Papier wurde heute in Stockholm vorgestellt. Unter anderem enthält es eine Rangliste der Länder, die die Entwicklung seiner Einwohner am meisten begünstigen. Kriterien wie Einkommen, Gesundheit, Bildung und Fürsorge spielen hier eine Rolle, und was die Schweden besonders freuen dürfte: Auf dem globalen Index für menschliche Entwicklung stehen sie weit oben an zweiter Stelle hinter Norwegen.

Natürlich freue sie sich, sagte Carin Jämtin, und stolz, so die Ministerin für Entwicklungshilfe, sei sie auch. „Trotz ökonomischer Probleme in Schweden erhalten wir eine Verteilungspolitik aufrecht, die dafür sorgt, dass die Entwicklung voranschreitet und die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter wächst. Das ist etwas, worauf man stolz sein kann."

Schöne Worte. Doch nicht nur der materielle Wohlstand gewährleistet dem UN-Bericht zufolge die Entwicklung und Selbstverwirklichung der Erdenbürger. In den meisten Ländern gibt es religiöse, sprachliche oder sonstige Minderheiten, die jeweils über zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Jeder Siebte gehört einer Gruppe an, die diskriminiert wird. Das neue Papier enthält darum vor allem eine Forderung nach kultureller Freiheit. Wenn ethnische und kulturelle Gruppen unterdrückt oder aus einer Gesellschaft ausgeschlossen würden, dann schaffe das einen Nährboden für Hass, so der Bericht. Zu Stabilität, Demokratie und eben menschlicher Entwicklung führten daher nicht Unterdrückung und erzwungene Anpassung, sondern die Ausweitung kultureller Rechte.

Sicherung der Grundrechte

Auch hierin habe Schweden sich seinen zweiten Platz verdient, meint Carin Jämtin. Im Dezember segnete das Parlament eine neue Politik ab, die weltweit die Sicherung der menschlichen Grundrechte verfolgt. „Was dieser Bericht sagt, ist ja, dass es sich bei der kulturellen Freiheit gerade um das Recht auf eine eigene Identität handelt. - Um das Recht, zu sein, wie man will. Also, es geht nicht vorrangig um das Recht, Theater zu spielen oder sich kulturell zu betätigen, sondern es handelt sich um das Recht man selbst zu sein, egal welcher Herkunft man ist, welcher Religion man angehört, oder welche sexuelle Veranlagung man hat. - es geht um Recht auf eine eigene Identität."

Auch Extremisten willkommen

Der UN-Bericht über die Entwicklung des Menschen enthält noch eine weitere Botschaft. Er fordert, dass die Feinde der kulturellen Freiheit nicht ausgeschlossen werden. Fremdenfeindliche und extremistische Gruppen sollen am demokratischen Prozess in den Ländern teilnehmen dürfen. Eine offene Debatte und demokratische Prinzipien seien der beste Weg, diese Gruppierungen unschädlich zu machen.

Jan Graf

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