Mit Technik gegen Kinderpornografie

Sie schauen sich Kinderpornoseiten an, beobachten Pädophilen-Chats, und das alles weil es ihr Job ist: 18 Männer und Frauen arbeiten bei der Landes-Krimininalpolizei auf der Suche nach Verbrechen im Internet. Der Vorarbeit ihrer IT-Gruppe war es unter anderem zu verdanken, dass die schwedische Polizei Ende Mai im ganzen Land Razzien bei mutmaßlichen Pädophilen durchführen konnte. Anderthalb Monate nach dem großen Erfolg hat Radio Schweden die IT-Kriminalitäts-Bekämpfer besucht.

Seit der Polizeiaktion stehen 118 schwedische Männer unter Verdacht, im Internet Kinderpornografie gekauft zu haben. Einige haben bereits gestanden. Sicher sei das ein geglückter Schlag gewesen, sagt Kriminalkommissar Bosse Norgren von der Abteilung für IT-Verbrechen. „Aber“, so schränkt er ein, „leider kratzt man damit nur an der Oberfläche, denn es gibt da draußen Massen von Kinderpornos - und leider auch Massen, die sich dafür interessieren."

Tipps aus der Bevölkerung

Es hat sich also nichts geändert. Die Arbeit der Ermittler gleicht dem Tropfen auf dem heißen Stein. Für die eigene Suche nach verbrecherischen Inhalten im Internet bleibt da keine Zeit. Die IT-Polizisten gehen Tipps aus der Bevölkerung und von anderen Behörden nach. So war es auch im Vorfeld der Razzien. Aus dem Ausland kamen Hinweise auf Schweden, die im Internet mit ihrer Kreditkarte für die schmutzigen Bilder bezahlten. Ein schwerer Fehler, denn über die Nummern der Karten konnten die Fahnder auch Namen, Telefonnummern und Anschriften der pädophilen Käufer zurückverfolgen.

„Zuerst gab es viel mehr Personen, über die wir Informationen hatten, aber wir haben die aussortiert, die zum Beispiel reklamiert hatten und behaupteten ihre Karte sei auf verbrecherische Weise ausgenutzt worden, oder die ihre Karte gesperrt hatten oder ähnliches. Die, bei denen es irgendwelche Zweifel gab, haben wir weggelassen“, berichtet Bosse Norgren über die Vorgehensweise. „Und da blieben 118 übrig. Also hätten es eigentlich noch deutlich mehr sein können."

Aus allen Gesellschaftsschichten

Doch die Zahl reicht aus, um einen Querschnitt der Gesellschaft zu repräsentieren. Auch drei Polizisten gehören zu den Verdächtigten. Kriminalinspektorin Lena Larsson, ebenfalls in der IT-Gruppe tätig, ist nicht erstaunt darüber: „Solche Veranlagungen gibt es ja überall. Es wäre sehr verwunderlich, wenn keine Polizisten dabei wären. Es sind sicher auch Leute dabei, die hohe Posten in der Gesellschaft bekleiden."

Lena Larsson und Bosse Norgren sitzen auf einem Ledersofa im Kellergeschoss des Stockholmer Polizeihauses während sie über ihre Arbeit berichten. Zu ihren Arbeitsräumen haben Journalisten keinen Zutritt. Hier unten im Halbdunkel sprechen wir über die menschlichen Abgründe, mit denen die Beamten zu tun haben. An die Stillbilder missbrauchter Kinder könne man sich gewöhnen, bedauert Lena Larson. „Man kann sich schnell antrainieren lediglich technisch darauf zu gucken, dass man nicht mit dem Gefühl schaut. Was schlimm ist, sind die Filme, die es im Netz gibt."

Neue Techniken

Ihre Arbeit mache ihr dennoch Spaß, versichert die Ermittlerin, denn sie sei abwechslungsreich. Immer gebe es neue Hinweise und Entwicklungen. Und genau so sieht es mit der Technik aus. Schwedens Internetpolizisten gehören zu den fortschrittlichsten der Welt. Um weiterhin Schritt zu halten mit den technologischen Entwicklungen bilde sich die Gruppe fortwährend weiter, erzählt Bosse Norgren. „Wir haben unerhört gute Möglichkeiten uns auszubilden.“ Das sporne die Mitarbeiter an, meint er. „Sie sind wild darauf, neue Sachen kennen zu lernen. Es ist sehr einfach Chef zu sein. Die Leute arbeiten von selbst, man muss sie nicht antreiben."

Sie sind hoch motiviert, die Frauen und Männer in der Kripogruppe für IT-Verbrechen. Kein Wunder. Wer zu Sisyphosarbeit nicht tauge, sagt Bosse Norgren, sei für die Polizei ohnehin nicht geschaffen.

Jan Graf

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