Wochenendvergnügen Landauktion

Allein oder mit der Familie werden Landauktionen im Sommer besucht, und es spielt kaum eine Rolle, ob man wirklich etwas braucht oder nicht. In alten Kisten stöbern, mit bieten oder einfach Freunde treffen und einen Kaffee trinken: Die typische schwedische Versteigerung hilft so manchem gerade in entlegenen Gebieten über das Gefühl der Einsamkeit hinweg.

Sonntagvormittag in Bjälverud, einem kleinen Dorf etwa 20 Kilometer entfernt des Städtchens Sunne in der Provinz Värmland. Auktionator Bernd Nilsson lädt ein zur Versteigerung in seine rund 1.000 Quadratmeter große Halle. Der Andrang ist groß: Zwischen die Einheimischen mischen sich auch viele Touristen. Herr Schlotfeld aus der Nähe von Kiel besitzt seit 1996 ein Sommerhaus in der Nähe. Was ihn fasziniert, sind: „Diese alten, schönen Sachen, die man in Deutschland so nicht mehr findet. Gläser, Porzellan, altes Handwerkszeug, wie da hinten“, sagt er und deuten in eine Ecke.

Altes Porzellan

Einfach mal gucken und im besten Falle mit bieten. Mit diesem Vorsatz kommen die Interessierten nach Bjälverud. Ines Olsson allerdings ist auf der Suche nach etwas ganz Bestimmten: „Ich schaue mir gerade Teller der Firma Rörstrand an. In meiner Kindheit hatten wir dieses Porzellan und ich habe angefangen es zu sammeln. Das finde ich sehr interessant."

Knut Backe aus Norwegen ist eigentlich selber Auktionator. Nach Bjälverud ist er nur wegen eines ganz bestimmten Kanus gekommen, von dem er im Stadtblättchen gelesen hat. Dort werden allwöchentlich die Highlights der Versteigerungen angepriesen. „In erster Linie interessiere ich mich für Antiquitäten und etwas bessere Sachen, als man sie hier heute findet. Das macht mir eher den Eindruck eines Flohmarktes. Ich glaube, das Leben ist zu kurz, als das man hier zu viele Stunden verbringen sollte."

Ein Original

Eine typische schwedische Landauktion lebt besonders von den Qualitäten des jeweiligen Auktionators. Bernd Nilsson ist Mitte 50, ein Mann in seinen besten Jahren, wie er sich selber beschreibt, gekleidet in Cowboyhut, Boots und Jeans. Seit dreizehn Jahren verdient er sein Geld mit Versteigerungen: „Ich glaube, ein Auktionator sollte in aller erster Linie versuchen, interessant zu sein. Das bedeutet, dass er sich dem Rhythmus der Leute anpassen muss. Mal ist er eher langsam, mal schneller."

Heute ist, da sind sich die meisten einig, das Angebot eher dürftig. Viel Schnickschnack eben, Vasen, Geschirr, kleinere Möbel, Koffer, Unterhaltungselektronik. Am meisten verspricht sich Bernd Nilsson vom Verkauf eines Esszimmers im gustavianischen Stil. 15.000 Kronen, also umgerechnet 1.600 Euro, erhofft er sich von dem Verkauf. Doch bis die Möbel unter den Hammer kommen, wird sicher noch eine Menge Zeit vergehen, vermutet Maren Thomsen aus Husum: „Normalerweise fangen sie immer mit den unattraktivsten Sachen an, also Gartengeräten und Werkzeuggeschichten und so. Wir sind hier hingekommen, weil wir uns ein Kanu kaufen wollen, das haben wir gelesen."

Handwerkszeug als Deko

Die Auktion kann beginnen. Als erstes bietet Bernd Nilsson eine Hollywoodschaukel feil. Die Versteigerung kommt nur schleppend in Gang für 700 Kronen wechselt das Gartenmöbel den Besitzer.

Jetzt ist Herr Schlotfeld am Zuge. Er hat es auf einige Werkzeuge abgesehen und erhält auch für wenige Kronen den Zuschlag. „Das ist alles für die Arbeit am Haus. Und die hier kommen an die Wand, das ist altes Handwerkszeug. Das ist eine richtig runde Sache hier."

Kanu unter dem Hammer

Einen Gegenstand nach dem anderen ruft Bernd Nilsson aus. Die Menschen hängen an seinen Lippen, verfolgen gespannt den hölzernen Hammer in seiner rechten Hand. Das Kanu aus Glasfiber ist an der Reihe - viele Besucher haben, wie Knut Backe und Maren Thomsen, ein Auge auf das Stück geworfen. Den Zuschlag erhält jedoch für 3.000 Kronen jemand anders.

Eine richtige Landauktion zieht sich gerne mal über einen ganzen Tag hin. Doch nicht alle Menschen kommen um Geld auszugeben, weiß Bernd Nilsson. „Viele kommen jedes Wochenende, kaufen aber eigentlich nie was. Sie wollen eben Leute treffen und dabei einen Kaffee trinken."

Ulrika Koch

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