Ekot besöker eko-bonden Elin Rydström. Foto: Maria Jansson / Sveriges Radio
Öko-Bäuerin Elin Rydström warnt vor Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft (Foto: Maria Jansson/Sveriges Radio)
Hintergrund

"Öko-Anbau sorgt für Klimakollaps und Hungersnot"

"Öko-Anbau ist eine Katastrophe"
4:12 min

Die ökologische Landwirtschaft in Schweden ist unter Beschuss geraten. Forscher der Universität Uppsala warnen davor, dass der Öko-Anbau keineswegs so gut für die Umwelt sei wie angenommen. Stattdessen fordern sie mehr Zuschüsse für die konventionelle Landwirtschaft.

Der Öko-Anbau ist eine Katastrophe für Mensch und Natur – so sehen das die vier Forscher der Landwirtschaftsuniversität in Uppsala. Unter dem kontroversen Titel „Der ökologische Traum“ haben sie die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengestellt und sehen es als erwiesen an, dass die gängige Sicht auf die umweltfreundliche und daher vermeintlich bessere Landwirtschaft schlicht falsch ist. 

Von wegen umweltfreundlich 

Im Schwedischen Rundfunk erklärte Holger Kirschmann, Co-Autor und Professor der Nährstofflehre und Bodenpflege: „Mit einem verstärkten Öko-Anbau lösen wir weder das Problem der überdüngten Ostsee, noch das Problem der Klimaerwärmung. Alle Vorstellungen von einer umweltfreundlichen Lösung für die Landwirtschaft der Zukunft sind durch unsere Faktenzusammenstellung widerlegt.“ 

Die Hauptkritik der Forscher: Ökologischer Landbau braucht mehr Fläche, weil er weniger ertragreich sei. Da diese Fläche aber gar nicht vorhanden ist, führe eine Umstellung auf 100 Prozent öko zu Hunger oder noch mehr Import. Eine größere Anbaufläche wäscht mehr Boden aus - schlecht für die ohnehin hoffnungslos überdüngte Ostsee. 

Fleischproduktion braucht viel Fläche 

Die Vorsitzende des Umweltschutzbundes Naturskyddsföreningen, Johanna Sandahl, hält die Kritik nicht für angemessen. Einen entscheidenden Punkt hätten der vier Forscher vergessen. 

„Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir weltweit mit der Ressource Boden umgehen. Der Landwirtschaft kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu, denn wir brauchen eine Lebensmittelproduktion, die für alle reicht. Die Fleischproduktion heute verschlingt einen enormen Anteil der verfügbaren Anbaufläche. Auf der Hälfte der Nutzflächen wird heute Futter angebaut, was keine kluge Bewirtschaftung ist.“ 

Öko ist beliebt 

Gut 16 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche in Schweden werden inzwischen ökologisch genutzt. Damit reagieren die Landwirte auf die gestiegene Nachfrage der Konsumenten. Der Verkauf von Waren mit dem Öko-Siegel KRAV ist allein in der ersten Hälfte dieses Jahres um ein Drittel gestiegen. 

Thomas Kätterer, selbst Professor der Systemökologie und einer der Anti-Öko-Forscher, erklärt, warum er die Botschaft vom gesunden Bio-Essen für ein leeres Heilsversprechen hält: „Öko-Anbau ist weder frei von Giften, noch umweltverträglich oder klimaneutral. Als Konsument in Schweden sollte man Ausschau nach schwedischen Waren halten, aber am liebsten nicht ökologischen. In Schweden haben wir dank der besten Gesetze, was Richtwerte und Tierschutz angeht, sehr gute Lebensmittel.“ 

Die Forscher plädieren daher für eine Umverteilung der staatlichen Mittel. Die umgerechnet rund 50 Millionen Euro, die bisher jährlich in den Öko-Anbau gepumpt werden, sollten vielmehr der konventionellen Landwirtschaft zugutekommen. Mit diesen Zuschüssen könnten die Bauern auf umweltfreundlichere Methoden umstellen, wie etwa das Anlegen von Biotopen oder Baumstreifen an Feldern. 

Weniger Pestizide  

Elin Rydström ist selbst Öko-Bäuerin und kennt den biologisch-dynamischen Anbau schon von klein auf. 

„Es gibt mir ein gutes Gefühl, mit Öko aufgewachsen zu sein. Pestizide gibt es ja nicht nur in der Natur um uns herum, sondern natürlich auch in den Lebensmitteln. Der Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfung ist ein großes Plus der Öko-Landwirtschaft, das kommt in der Forschung aus Uppsala gar nicht zum Tragen.“ 

Gifte in der Umwelt und im Essen sind es denn auch, weshalb der Naturschutzbund dringend zu einer Umstellung auf ökologische Landwirtschaft rät. 

„Untersuchungen der Lebensmittelbehörde zeigen, dass im Bio-Essen weit weniger Gifte sind als in konventionell hergestellten Lebensmitteln“, erklärt die Vorsitzende der Umweltorganisation Johanna Sandahl. „Sicher liegen die gefundenen Reste unter den Grenzwerten, aber zu diesen Giftstoffen kommen ja noch andere dazu: aus den Stühlen, vom Fernseher, vom Spielzeug unserer Kinder. Wir müssen uns vor diesen Chemikalien schützen, nicht zuletzt, weil wir über ihre Auswirkungen noch viel zu wenig wissen.“

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