Schuhspikes (Foto: Claudio Bresciani  / TT)
Mini-Steigeisen gegen Knochenbrüche (Foto: Claudio Bresciani / TT)
Der Winter kommt

Mit Steigeisen gegen Sturz im Alter

"Schweden investiert nur mickrige Summen"
2:54 min

Der Winter steht vor der Tür, in Schweden bereitet man sich allerorts auf die lange dunkle Jahreszeit vor.

Vor allem für Schwedens ältere Bevölkerung werden Glatteis und nicht gestreute Gehwege jeden Winter aufs Neue zur Belastungsprobe. So manche Gemeinde versucht, schweren Stürzen – die in manchen Fällen sogar tödlich ausgehen können – entgegenzuwirken und verteilt umsonst anschnallbare Spikes. Doch auch zu Hause ist die Gefahr für Stürze groß. Laut der Katastrophenschutzbehörde müsste Schweden viel mehr für den Schutz der Senioren tun.

Kerstin Langer ist eine der zahlreichen Senioren, die in Schweden jedes Jahr nach schweren Stürzen im Krankenhaus landen. Bei der 82-Jährigen ereignete sich der Unfall Zuhause. Als sich Kerstin Langer beim Stricken nach einem Wollknäuel bückte, bewegte sich plötzlich der rollbare Stuhl. Sie fiel nach vorn und schlug sich den Kopf an der Bettkante blutig. Zum Glück sei gerade eine Freundin zu Besuch gewesen, die sofort Hilfe rufen konnte, erzählt Langer. Einen Notrufalarm hat sie nämlich nicht im Haus.

Kopfverletzungen und Knochenbrüche

Über 100.000 Senioren verletzten sich vergangenes Jahr so schwer, dass sie medizinisch behandelt werden mussten, hat das Schwedische Fernsehen ermittelt. Rein rechnerisch bedeutet dies, dass alle fünf Minuten ein Rentner in Schweden schwer stürzt. Viele der Unfälle ereignen sich wie bei Kerstin Langer Zuhause. Ein Viertel aller Stürze, die Kopfverletzungen und Knochenbrüche zur Folge haben, ereignen sich aber im Winter auf Glatteis.

Den dicken Eisschichten, die sich bereits in der Übergangszeit zwischen Herbst und Winter auf schwedischen Gehwegen bilden, ist mit Streuen allein nicht beizukommen. Häufig schnallen sich die Rentner leichte Spikes unter die Winterschuhe, um beim Balancegang übers Glatteis einigermaßen Halt zu finden.

Gemeinden verteilen Gratis-Spikes

Viele Städte und Gemeinden verteilen die Schuhspikes sogar umsonst an ihre älteren Einwohner. In Göteborg beispielsweise schickte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr Mini-Steigeisen an über 80.000 Rentner. Eine Aktion, die wegen der öffentlichen Kosten auf Kritik stößt. Gleichzeitig kommen solche Maßnahmen die Provinzen billiger zu stehen als Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen, so die Gegenkritik. Die Katastrophenschutzbehörde hat ermittelt, dass Stürze im Alter jedes Jahr Kosten in Höhe von fast 2,5 Milliarden Euro verursachen. Allgemein investiere Schweden viel zu wenig in die Sicherheit seiner Senioren, wie Jan Schyllander von der Katastrophenschutzbehörde MSB anmahnt.

„Knapp 300 Millionen Euro fließen in die Vorbeugung solcher Unfälle. Eine ziemlich mickrige Summe, wenn wir es mit der Vorbeugung von Verkehrsunfällen vergleichen. In diese wird jährlich etwa 4 Milliarden Euro gesteckt. Beim Brandschutz sind es fast 2 Milliarden Euro. Und dies, obwohl das Problem mit Stürzen weitaus größer ist.“

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