Demonstration mot förhållandena på flyktingboendet  i Frånö i Kramfors. Foto: Ulla Öhman/SR
Immer wieder kommt es zu Protesten gegen die Qualität einiger Flüchtlingsheime (Foto: Ulla Öhman/SR)
Themenschwerpunkt Asyl

Schwedische Kirche will eigene Flüchtlingsheime

"Private Anbieter machen inakzeptable Gewinne"
5:48 min

Die Schwedische Kirche hat angekündigt, erstmals Flüchtlingsheime in eigener Regie führen zu wollen. Ziel ist es, ein Gegengewicht zu privaten Anbietern zu sein.

Fast 80.000 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bereits nach Schweden gekommen und im nächsten Jahr werden es vermutlich noch mehr. Die  Behörden haben immer größere Schwierigkeiten, passenden Unterkünfte zu finden. Deshalb reagiert nun die Schwedische Kirche. „Es besteht ein großer Bedarf an Wohnungen. Wir nehmen viele Menschen auf und die Flüchtlingskrise in der Welt ist ernst“, sagt Kristina Hellqvist, zuständig bei der Schwedischen Kirche für Flüchtlings- und Integrationsfragen. „Nun sehen wir in dieser Branche eine Reihe privater Anbieter, die unserer Meinung nach nicht akzeptable Gewinne abschöpfen. Deshalb braucht es gemeinnützige Akteure und wir wären einer davon.“

Schwedische Kirche bislang kaum im sozialen Bereich aktiv

Dieser Schritt ist umso ungewöhnlicher, als die Schwedische Kirche bislang kaum als Anbieter im sozialen Bereich auftritt. Anders als in Deutschland gibt es in Schweden zum Beispiel fast keine Altersheime und Kindergärten in kirchlicher Regie. Doch das soll sich ändern.

Seit einigen Jahren gibt es innerhalb der Kirche eine intensive Debatte darüber, wie die Organisation deutlicher als Akteur im Sozialsektor auftreten kann. Auch auf der momentan in Uppsala stattfindenden Synode ist dies ein großes Thema . Erst am Dienstag beschloss die oberste Kirchenversammlung, künftig mehr Geld für die Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bereit zu stellen. Welche Form diese annehmen soll, ist noch offen. Eine Option sind aber eigene Flüchtlingsheime.

Bessere Betreuung anstelle von Gewinn

Um Details dieser Pläne zu erörtern, trifft Erzbischöfin Antje Jackelén im Rahmen der Synode auch den Chef der Einwanderungsbehörde Anders Danielsson. Konkrete Maßnahmen, so betont Kristina Hellqvist, seien von diesem Treffen noch nicht zu erwarten. Dennoch ist sie fest davon überzeugt, dass Flüchtlingsheime unter kirchlicher Leitung ein großes Plus wären. „Laut Recherchen des Schwedischen Fernsehens schöpfen manche privaten Anbieter die Hälfte der Gelder, die sie aus öffentlichen Mitteln für die Unterbringung der Flüchtlinge bekommen, als Gewinn ab. Die Kirche hat kein Profitinteresse. Wir könnten diese Gelder stattdessen dazu verwenden, qualitativ gute Unterkünfte und gutes Essen anzubieten. Auch würden wir uns zum Beispiel um eine bessere psycho-soziale Betreuung von Kindern kümmern.“

Bert Karlsson: "Reiner Schwachsinn"

Bert Karlsson bringen solche Aussagen auf die Palme. Der 69-jährige Unternehmer ist eine umstrittene Persönlichkeit in Schweden. Erst verdiente er sein Geld als Plattenproduzent, dann gründete er die rechtspopulistische Partei „Ny Demokrati“ (Neue Demokratie), für die er Anfang der 90-er Jahre vier Jahre im Parlament saß. Mittlerweile verdient er sein Geld unter anderem mit Flüchtlingsheimen. Sein Unternehmen Jokarjo ist einer der größten privaten Anbieter der Branche. Doch die Behauptungen Kristina Hellqvists sind seiner Meinung nach falsch:  „Es ist wirklich Blödsinn zu sagen, dass jede zweite Krone Gewinn ist. Reiner Schwachsinn. Da werde ich wütend. Wir sprechen hier von einer Gewinnspanne von sechs bis sieben Prozent, wenn man das ordentlich macht, also Gehälter bezahlt und nicht nur mit Ehrenamtlichen arbeitet.“

Faktum ist, dass die zuständige Einwanderungsbehörde privaten Anbietern pro Tag umgerechnet circa 40 Euro für jeden Flüchtling zahlt. Im Monat sind das rund 1.200 Euro. Das kann zu großen Gewinnen führen, muss es aber nicht. Tatsächlich nennt auch die angesprochene Untersuchung des Schwedischen Fernsehens lediglich zwei private Anbieter, die Gewinnspannen von über 50 Prozent ausweisen.

System der Flüchtlingsunterbringung verbesserungswürdig

Einig sind sich der Privatunternehmer Karlsson und  die Kirchenvertreterin Hellqvist aber darin, dass das momentane System der Flüchtlingsunterbringung keineswegs optimal ist. Karlsson kritisiert vor allem, dass die Einwanderungsbehörde immer nur kurzfristige Verträge von maximal fünf Monaten unterzeichnet. Dies, so Karlsson, mache langfristige Planung und damit kosteneffektiveres Arbeiten unmöglich. Hellqvist wiederum möchte, dass gemeinnützige Akteure wie die Kirche von öffentlichen Ausschreibungsverfahren gänzlich ausgenommen werden.

All dies ist Neuland – sowohl für die Schwedische Kirche als auch für die Einwanderungsbehörde. Kristina Hellqvist will daher auch nicht sagen, wann denn nun das erste Flüchtlingsheim in kirchlicher Regie aufmachen wird.

„Ich wage es nicht, eine genaue Vorhersage zu machen. Wenn wir uns hier engagieren, dann wollen wir das gut machen. Gleichzeitig wissen wir, dass schnelle Hilfe nötig ist. Das müssen wir nun gegeneinander abwägen.“

Karin Bock-Häggmark

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