Isisflaggor och siluetten av en man vid en dator. Illustration/foto: Nick Näslund/Sveriges Radio
Die Terrormiliz "Islamischer Staat" wirbt eifrig übers Internet - auch in Schweden mit einigem Erfolg (Foto/illustration: Nick Näslund/Sveriges Radio)

Noch mehr Dschihadisten aus Schweden

"Die Zahl der Kampfbereiten hat zugenommen"
3:27 min

Die Zahl der schwedischen Dschihadisten, die sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Irak und in Syrien anschließen, ist erneut gestiegen. Laut schwedischem Staatsschutz Säpo weiß man inzwischen von 100 Personen. Die Dunkelziffer liegt allerdings weit darüber.

Das Beunruhigende ist Säpo-Chef Anders Thornberg zufolge, dass die Zahl der zum islamistischen Terror bereiten schwedischen Staatsbürger so schnell steigt. Im Schwedischen Rundfunk erklärte er am Wochenende: „Erst vor einer Woche wurden 92 Personen bestätigt, die von Schweden nach Syrien und in den Irak aufgebrochen sind, um dort auf der Seite der Islamisten zu kämpfen. Nun wissen wir schon von 100.“ 

Was geschieht nach der Rückkehr? 

Bei 150 weiteren Personen ist derzeit noch unbestätigt, was das Ziel ihrer Reise in die Krisengebiete ist. Laut Staatsschutz geht es insgesamt um bis zu 300 potenzielle Täter, die man im Auge behalten muss. 

„Wir müssen eine Bereitschaft dafür haben, wenn sie zurückkommen, und müssen wissen, welche Absichten und welche Kompetenz sie dann haben.“ 

Die Überwachung der im Terror geschulten Rückkehrer und ihrer möglichen Pläne, auch in Schweden aktiv zu werden, betreibe die Säpo „nach bestem Wissen“, betont Anders Thornberg. Viele der Dschihad-Kämpfer seien traumatisiert von ihren Erlebnissen. Welche Folgen dies für ihr Leben zurück in Schweden hat, scheint schwer abschätzbar. 

Reden über die Verlockung 

Derzeit arbeitet die Regierung an einem Gesetzesentwurf, wonach die Teilnahme an terroristischen Kämpfen und Trainingscamps unter Strafe gestellt werden soll. Bis dieser Entwurf im kommenden Jahr vorgestellt wird, läuft die vorbeugende Arbeit anderorts schon auf vollen Touren. 

Noch von der bürgerlichen Vorgängerregierung eingesetzt, leitet die bekannte Sozialdemokratin Mona Sahlin die Bemühungen, dem gewaltbereiten Extremismus rechtzeitig entgegenzuwirken. Immer mehr Menschen würden sich trauen, offen über den Islamismus zu sprechen, sagt Sahlin im Schwedischen Rundfunk. Dass die islamistische Terrormiliz offenbar schnell und erfolgreich rekrutiert, beobachtet auch sie. 

„Die Zahl der Kampfbereiten hat ganz klar zugenommen. Viele reisten vor einigen Monaten noch aus humanitären Gründen. Heute wollen sie sich aktiv an den Kämpfen beteiligen. Wie viele Menschen wir von ihrer Reise in den Dschihad abhalten konnten, vermag ich aber nicht zu sagen.“ 

Täter bestrafen,  Aussteigern helfen 

Vor allem sei wichtig herauszufinden, wer sich warum vom gewaltbereiten Extremismus angesprochen fühlt. Keine leichte Aufgabe, weil die Gruppe sehr heterogen sei, meint Sahlin. 

„Jedes Individuum hat seine ganz eigene Geschichte, die wirklich alles enthalten kann: religiösen Fanatismus, politische Radikalisierung, gesellschaftliche Ausgrenzung, aber auch Irreführung. Ich weiß zum Beispiel von Mädchen, die regelrecht hinters Licht geführt worden oder sogar verkauft worden sind. Die müssen wir zurückholen, denn mit jedem Einzelschicksal ist so viel Scham und Schuld verbunden, das betrifft Jungen und Männer genauso wie Mädchen und Frauen.“ 

Wer sich im Namen des Terrors an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteilige, müsse selbstverständlich vor ein Gericht gestellt werden, betont Sahlin. Doch wer dem selbst ernannten „Islamischen Staat“ und seinem brutalen Extremismus den Rücken kehren will, bevor man sich selbst strafbar gemacht hat, dem müsse der Weg zurück offen stehen.

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