LO-borgen, Ola Pettersson, chefsekonom på LO. Foto: TT
Ola Pettersson und LO wünschen sich staatliche Anreize für die Konjunktur (Foto: T)
Hintergrund

LO malt ein düsteres Bild

"Wenn man will, kann man das Geld leihen"
3:35 min

Der Dachverband der Arbeitergewerkschaften LO schaut besorgt auf die wirtschaftliche Entwicklung Schwedens. Die am Dienstag vorgestellte Prognose geht von einer weiter relativ hohen Arbeitslosigkeit aus. Schuld sei die schlechte Lage in den Exportmärkten und hier vor allem in Europa. LO fordert daher die Regierung zu gewaltigen Investitionsprogrammen auf.

Für den Gewerkschaftsverband LO gibt die schwedische Konjunktur wenig Anlass zu jubeln. LO-Wirtschaftsexperte Lars Ernsäter zeichnet auf der Pressekonferenz am Dienstag in Stockholm ein düsteres Bild: „Das ist ein Bericht in Moll. Es sieht richtig düster aus. 2012 hatten wir einen leichten Rückgang beim BNP. 2013 ein Wachstum von 1,5 Prozent.“

Und auch in diesem Jahr rechnet LO mit einem Wachstum von lediglich 2,1 Prozent. Der Gewerkschaftsverband geht auch im kommenden Jahr von einem Wachstum von 2,1 Prozent aus. 2016 sei dann mit 2,3 Prozent zu rechnen. Damit liegt LO in etwa auf dem Niveau der Prognosen der Regierung. Während Finanzministerin Magdalena Andersson allerdings von einer leichten Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ausgeht, erwarten die Experten von LO, dass die Arbeitslosigkeit auch in den kommenden Jahren bei knapp acht Prozent liegt.

LO-Chefökonom Ola Pettersson bezeichnet die Lage im Schwedischen Rundfunk als ernst: „Wir haben international eine Konjunkturschwäche, die sehr lang dauert. Besonders schlecht läuft es in unseren Exportmärkten in Europa.“

Regierung muss mehr ausgeben

Der Export und auch der Verbrauch der Privathaushalte taugen daher in den Augen von LO nicht mehr allein als Konjunkturlokomotive. Chefökonom Pettersson sieht deshalb die Regierung in der Pflicht: „Wir wollen, dass die Regierung mehr baut: Straßen, Eisenbahnstrecken und Wohnungen. Wenn man will, kann man das Geld dazu leihen.“

Ein Paket stimulierender Maßnahmen von umgerechnet gut 7,5 Milliarden Euro würde 100.000 Personen mehr beschäftigen und damit die Arbeitslosigkeit um zwei Prozent drücken, so LO in dem am Dienstag vorgestellten Konjunkturbericht.

Finanzministerin Andersson hat aber bereits angekündigt, dass man keine Schulden machen will. Dies sei aber jetzt geboten, so Ola Petersson: „Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es wohl kaum stärkere Gründe gegeben, öffentlich zu investieren, als gerade jetzt.“

Dickes Weihnachtsgeschäft erwartet

Derweil lassen sich die Schweden offenbar die Weihnachtsstimmung nicht von schlechten Konjunkturprognosen vermiesen. So rechnet das Hypothekenkreditinstitut SBAB damit, dass die Verbraucher in diesem Jahr so viel Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben wie nie zuvor. Die niedrigen Zinsen auf dem Hypothekenmarkt würden dazu beitragen, dass sich die Schweden so reich fühlen, wie kaum zuvor.

Diese gefühlte Wirklichkeit werde aber schon bald ein Ende haben, meint Ola Pettersson: „Wir glauben nicht, dass die Privathaushalte mehr ausgeben und weniger sparen werden. Die Unsicherheit ist zu groß. Deshalb müssen die öffentlichen Haushalte hier den ersten Schritt machen.“

Internationaler Meinungsumschwung?

Pettersson ist dabei davon überzeugt, dass auch die Regierung ziemlich bald zu dieser Einsicht gelangen wird und die Geldhähne öffnet. Unter anderem auch deswegen, weil sich international die Meinungslage geändert habe: „Die Argumente für diese Politik sind stärker geworden. Wir sehen, dass die europäische Sparpolitik nicht zum Ziel führt. Die internationalen Wirtschaftsexperten sind auch dabei, ihre Meinung zu ändern. Es gibt also viel intellektuelle Unterstützung, damit die Politiker sich diese Vorschläge näher ansehen.“

Anders Jelmin/Dieter Weiand

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