Schweden russische Gaslieferungen
Ein russischer Gasboykott würde Schweden kaum schmerzen (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)
Hintergrund

Russisches Gas lässt Schweden kalt

"Schwer vorherzusagen"
1:59 min

Sollte es im Zuge der Ukraine-Krise zu Engpässen mit russischen Gaslieferungen kommen, wäre Schweden kaum davon betroffen. Denn Schweden, so erklärt Michael Pellijeff von der Energiebehörde gegenüber Radio Schweden, sei kaum abhängig vom Erdgas.

„Das Schlimmste, was passieren kann, wäre ein totaler Lieferstopp aus Russland. Das könnte dann auch Schweden treffen, weil dann mehr Gas aus Dänemark aus Solidaritätsgründen in den Süden ginge. Aber das ist schwer vorherzusagen.“

Erdgas ist keine wichtige Energiequelle für Schweden. Es gibt ein paar Pipelines entlang der Westküste. Das meiste Gas wird von Dänemark geliefert. Lediglich ein extremer Mangel auf dem europäischen Festland könne dazu führen, dass Dänemark mehr Gas dorthin liefere. Das könnte dann die Haushalte und die Industrie in Westschweden treffen, so Pellijeff.

Schweden importiert auch Öl aus Russland. Hier sorge aber der Rohölmarkt für Ausgleich, meint Samuel Ciszuk von der Energiebehörde:

„Der Rohölmarkt ist einer der größten Rohstoffmärkte der Welt. Er funktioniert sehr gut und ist finanziell sehr gut ausgestattet. Sollte Russland hier den Export stoppen, würde der Rohölpreis steigen. Das trifft zuerst die ärmsten Länder und später dann alle. Als Sanktionswaffe ist Rohöl damit ein sehr stumpfes Instrument.“

Geographische Nähe

Der Grund, warum Schweden so viel Rohöl aus Russland importiert, ist laut Ciszuk die geographische Nähe. „Ungefähr 40 Prozent unseres Ölimports stammt aus Russland. Das ist mehr als der Durchschnitt in der EU. Russland ist ja sehr nahe, und dadurch sind die Transportkosten sehr niedrig. Die Lieferzeiten spielen auch eine Rolle, weil sie die Flexibilität beeinflussen. Deshalb verlassen sich schwedische Raffinerien eben hauptsächlich auf Öl aus der Nordsee und aus Russland."

Im Fall erussischer Lieferengpässe müsse sich Schweden auf dem Weltmarkt anderweitig bedienen, was voraussichtlich teurer käme und mit längeren Lieferzeiten verbunden wäre.

Jurij Gourman, Anders Ljungberg/Dieter Weiand

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