Erweiterung des Vaterschaftsurlaubs

Väter in Schweden dürfen bei der Geburt ihres Kindes zehn Tage bezahlte Auszeit nehmen. Doch die „Papatage“ reichen nicht, um den Vater stärker in die Familie einzubinden, kritisiert eine Regierungsstudie. Deswegen sollte der Vaterschaftsurlaub auf wenigstens einen Monat ausgedehnt werden.

Der erweiterte Vaterschaftsurlaub soll während der ersten drei Monate nach der Geburt des Kindes genommen werden und nicht übertragbar sein, schlägt die Studie vor. Das heißt, keine Mutter kann diese Auszeit aus dem Berufsleben von ihrem Mann übernehmen. Im Gegenteil, der Gedanke ist, dass sowohl Mutter als auch Vater gleichzeitig mit dem neuen Erdenbürger zu Hause sein sollen und beide Elternteile während dessen Erziehungsgeld erhalten.

Schweden bemüht sich schon lange, die Vater-Kind-Beziehung zu festigen, und das nicht nur aus Gleichstellungsgründen. Es geht darum, die Familien stabiler zu machen, die Geburtenrate zu steigern und Überlastung durch Doppelarbeit zu vermeiden. Die Elternzeit kann schon seit Jahren von beiden Elternteilen beansprucht werden. Dass ein geteilter Elternurlaub die Neigung zur Scheidung mindert, hat eine Untersuchung der Universität Stockholm festgestellt. Das Scheidungsrisiko sei ein Drittel geringer, wenn auch der Vater einige Zeit mit dem Baby zu Hause bleibt.

Zementierte Rollenverteilung
Bisher steht beiden Elternteilen zusammen rund ein Jahr Elternurlaub zu. Während dieser Zeit bezieht man 80 Prozent des Gehalts. Aber auch in Schweden ist die Rollenverteilung meist die Klassische: Die Mutter bleibt mit dem Baby zu Hause, der Vater steigt voll in die Rolle des Familienversorgers ein. Damit Väter aktiver an der Entwicklung ihrer Kinder teilnehmen, muss jeder Elternteil mindestens drei Monate Elternurlaub nehmen. Wer das nicht tut, lässt diese bezahlte Auszeit verfallen. Da Männer nicht selten die Besserverdienenden der Familie sind, nehmen viele ihre Vaterschaftsmonate jedoch  nicht in Anspruch.

Nun schlägt eine neue Studie also einen weiteren Vaterschaftsmonat vor. „Das Wichtigste ist die Bindung, dass das Neugeborene schon früh mit Mutter und Vater zusammen ist“, erläutert Karl-Petter Thorwaldsson. Er hat die Studie im Auftrag der Regierung durchgeführt. Darüber, ob der Babymonat für Väter besser angenommen wird als die bisherigen Elternzeitregelungen kann man nur spekulieren.

Mutterschutzfrist
Eine andere Empfehlung der Studie wird sicher mehr Anklang finden: Die vierwöchige, bezahlte Schutzfrist vor der Entbindung. Eine solche Regelung gibt es in Schweden bisher nicht, weil Schwangerschaft nicht grundsätzlich als Krankheitszustand betrachtet wird. In den letzten Jahren sind aber immer mehr werdende Mütter während der letzten Schwangerschaftswochen krankgeschrieben worden.

Falls beide Empfehlungen Wirklichkeit werden, wird die Elternzeit auf insgesamt 14 Monate erweitert. Die Finanzierung dieser zusätzlichen ist allerdings noch nicht geklärt.

Sybille Neveling

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista