Marabou-Schokoladenfabrik in der Kritik

Vom einst sozialistischen Ruf Schwedens ist nicht mehr viel übrig. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitnehmerfragen zeigt: Schweden gehört zu den europäischen Ländern mit dem schlechtesten Arbeitnehmerschutz. Der Fall der Schokoladenfabrik Marabou in Upplands-Väsy ist da nur ein weiteres Beispiel. Hier warf die Leitung einen Großteil ihrer Belegschaft raus, um günstiger produzieren zu können. Und die einst so starken Gewerkschaften können kaum etwas ausrichten.

Eigentlich ist alles ganz einfach. Weil die Verbraucher im Sommer weniger Schokolade essen als im Winter, will der schwedische Süßwarenhersteller Marabou hauptsächlich Saisonarbeitskräfte anheuern, die für die absatzträchtigen Monate produzieren. Die Begründung von Börs Brita Westelius, Pressechefin bei Marabous Mutterkonzern Kraft Foods, hat man so oder so ähnlich schon mehrfach gehört:

„Wir müssen in unserer hochtechnologischen Produktion auf Kompetenz setzen. Angesichts der täglich wachsenden Konkurrenz brauchen wir mehr flexible Arbeitszeitregelungen. Das wird hoffentlich nur eine vorübergehende Lösung sein, damit wir auf dem Markt bestehen können.“

Vor allem Frauen betroffen 

Tatsächlich ist Kraft Foods in den vergangenen Jahren durch ein wirtschaftliches Tal der Tränen gegangen. Dutzende von Standorten mussten allein in Europa dicht gemacht werden, weil sich die Produktion nicht mehr rentierte. Doch gerade bei Marabou in Upplands-Väsby wurden offenbar ganz bestimmte Arbeitnehmergruppen vor die Tür gesetzt, gibt der Ombundsmann der Arbeiter in der Lebensmittelindustrie, Mikael Löthén, zu bedenken:

„Man hat bewusst Mitarbeiter rausgeworfen, die Kleinkinder haben – vor allem Frauen. Das ist doch erschreckend, dass gerade diese Menschen betroffen sind.“

Spezialkenntnisse gefordert 

Die Unternehmensleitung von Marabou widerspricht massiv und behauptet, man werde auch in Zukunft all jene Mitarbeiter beschäftigen, die über Spezialkompetenzen für die hochsensiblen Schokoladenmaschinen verfügen. Soziale Hintergründe spielten dabei keine Rolle, heißt es. Die Gewerkschaft wiederum bezichtigt Marabou der Lüge und behauptet, vor allem kinderlose Männer gehörten zu den Arbeitnehmern mit Spezialkenntnissen, obwohl sie diese bislang nur schwerlich erworben haben können. Diesen Vorwurf erhebt auch der Gewerkschaftsvorsitzende bei Marabou, Ingmar Kaer:

„Das ist schon verwunderlich, wenn man die Leute im Herbst ausbildet, und die bereits im Februar an die Maschinen dürfen. Das ist doch gegen die Bestimmungen. Und für unsere Mitglieder ist das natürlich ein harter Schlag.“

Offene Kritik unwahrscheinlich 

Gleichwohl wird Marabous Verhalten wohl ohne Konsequenzen bleiben. Denn nicht einmal die rausgeworfenen Mitarbeiter wagen es, ihren ehemaligen Arbeitgeber zu kritisieren – zu groß ist die Hoffnung, über vielleicht doch noch als Saisonarbeiter eingestellt zu werden.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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