Lichtinstallation am Rathaus von Umeå, auch genannt die "Birkenstadt" Foto: Malin Grönborg
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Lichtinstallation am Rathaus von Umeå, auch genannt die "Birkenstadt" Foto: Malin Grönborg
Hinter dem Stadthotel erhebt sich das neue Kulturzentrum "Väven" Foto: Johan Gunséus/TT
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Hinter dem Stadthotel erhebt sich das neue Kulturzentrum "Väven" Foto: Johan Gunséus/TT
Hintergrund

Kulturhauptstadt 2014 – und jetzt?

"Kulturpolitische Debatten wie noch nie zuvor"
4:24 min

Für Umeå neigt sich das Jahr als Kulturhauptstadt Europas 2014 dem Ende zu.

Die offizielle Abschlussfeier ist bereits vom Stapel gegangen, einige letzte Programmpunkte stehen noch an in der Weihnachtszeit, bis dann die sogenannte Birkenstadt in Nordschweden wieder vom Radar der Weltkultur-Berichterstattung verschwindet. Der Geist des Kulturhauptstadtjahres wird Umeå und die gesamte Region aber auch in Zukunft weiterhin prägen – in kultureller wie auch wirtschaftlicher Hinsicht.

Wehmütiger Abschied

Mit einer Abschlussfeier am Wochenende ließ es Umeå, gelegen an der Nordost-Küste Schwedens, noch einmal richtig krachen. 11.000 Besucher versammelten sich am zentralen Rathausplatz, umrahmt von einer aufwendigen Lichtinstallation. Für Umeå und die Region heißt es nun Abschied nehmen vom kulturellen Ausnahmezustand, der die Stadt das gesamte Jahr über beherrscht hat.

„Einerseits ist es phantastisch, dass alles wie geplant funktioniert hat. Rein gefühlsmäßig ist es aber doch etwas wehmütig. Es war ein bewegendes und phantastisches Jahr für Umeå“, so der künstlerische Leiter Fredrik Lindegren.  

Durchdrungen von Kultur

 Als Kulturhauptstadt wurde Umeå regelrecht durchdrungen von Kunstschaffenden, die aus aller Welt nach Nordschweden gereist waren. Musikalisch waren so gut wie alle Genre vertreten. Vor allem die Freilichtdarstellung von Richard Strauss Elektra wird den vielen Besuchern, die mit Outdoor-Kleidung und Thermoskannen bewaffnet der Kälte trotzten, in Erinnerung bleiben. Aber auch die unzähligen Vorlesungen, Design- und Lichtinstallationen, Tanzvorstellungen, Theaterfestivals oder Sportevents mit Titeln wie „Skateboard fahren – nicht nur für Mädchen“, nur um einige Beispiele zu nennen.  

„Das gesamte Jahr war absolut phantastisch“, sagt die Kulturjournalistin Sara Meidell von der Regionalzeitung Västerbottenskuriren. „Wir hätten eigentlich drei Kulturredaktionen gebraucht, um über all die Kultur, die hier geschaffen wurde, berichten zu können.“

"Schwedens vierte Großstadt"

Die Stadt am Fluss Umeälven gehört mit ihren knapp 80.000 Einwohnern zwar nicht zu den allergrößten Städten des Landes. Insgeheim wird Umeå aber nach wie vor die Hauptstadt des Nordens genannt, auch wenn ihr vor einigen Jahren Sundsvall diesen Titel offiziell abgejagt hat. Der Einfluss der Kultur der Samen und das Studentenleben machen Umeå zu einer vielseitigsten Städte Schwedens. Vor allem aber die alternative politische Szene ist der Grund dafür, warum Umeå mitunter auch als Schwedens vierte Großstadt bezeichnet wird.

Eben auf dieser politischen Ebene wird das Kulturhauptstadtjahr auch die tiefsten Spuren in der Stadt hinterlassen, glaubt Mattias Johansson von der Kultureinrichtung Verket, eine Art Zentrum der links-alternativen Kultur in Umeå. „Noch nie habe ich dermaßen viele kulturpolitische Debatten erlebt wie in diesem Jahr. Kaum ein Tag ist vergangen, an dem nicht Kultur und Politik diskutiert wurden. Das wird Umeå auch in Zukunft zu Gute kommen. Noch jede so kleine Tanzvereinigung ist in diesem Jahr politisiert worden. Das macht es all die vielen Gelder wert, die im Kulturjahr hineingepumpt wurden.“

Links-alternative Szene prägt die Stadt

Die großen Kulturgelder sind an dem links-alternativen Milieu, das Umeå durch und durch prägt, allerdings vorbeigegangen: Nur etwa 5.000 Euro hat das Kulturzentrum Verket im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres erhalten. Allerdings nicht ganz  ungewollt, wie Johansson betont: „Die Medien haben den Konflikt zwischen Vertretern der Hochkultur und der alternativen Kultur geliebt. Journalisten aus der ganzen Welt haben darüber berichtet. Für uns war das ideal. Wir hatte so die Möglichkeit, in einem größeren Rahmen über Kulturpolitik zu sprechen.“   

Auch wirtschaftlich wird so einiges vom Kulturjahr hängen bleiben. Weltweit wurden bereits im letzten Jahr über 900 Zeitungsartikel über Umeå und Umgebung geschrieben. Der Tourismus boomt, die Zahl der Übernachtungen war um ein Fünftel gestiegen. 

Bleiben wird der Stadt auch das neue Kulturzentrum Väven, das im Zuge des Kultur-Megaevents eingeweiht wurde. Auch hier natürlich – typisch Umeå – nicht ohne die lautstarken Proteste seitens der alternativen Subkulturen, nachdem private Investoren an dem Bau beteiligt wurden, die zudem den Kulturveranstaltung gewissen wirtschaftlichen Mehrwert abforderten. Ob als Kulturhauptstadt oder nicht: Der Kampf um die Deutungshoheit über die Kultur, er wird Umeå erhalten bleiben.  

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