Immer weniger Asylbewerber

Normalerweise erfreut sich die EU in Schweden nicht allzu großer Beliebtheit. Doch ausgerechnet im Zusammenhang mit der Asylpolitik erweist sich die Union als effizientes System. Weil Asylbewerber in der gesamten EU registriert werden, ist es schwieriger, in mehreren Ländern gleichzeitig einen Antrag auf Asyl zu stellen. So nimmt die Zahl der Anträge in Schweden spürbar ab. Doch Kritiker warnen vor den Nebenwirkungen dieses Trends.

Seit 1996 gilt das Schengener Abkommen auch in Schweden. Das Abkommen funktioniert auf zwei Weisen: Innerhalb der EU-Länder werden die Grenzkontrollen schrittweise abgeschafft, dafür wird an den Außengrenzen umso härter gesiebt. Das spiegelt sich nun auch in der Zahl der Asylanträge wider, erklärt Hans Emanuelsson, Prognosechef bei der schwedischen Einwanderungsbehörde:

„Seit unserem Beitritt zum Schengen-Abkommen ist die Zahl der Asylsuchenden von 32.000 immer weiter gesunken, sodass wir davon ausgehen können, dass in diesem Jahr 19.000 Anträge gestellt werden.“

Jeder Zehnte darf bleiben 

Mittlerweile erhalten nur noch zehn Prozent der Asylbewerber eine Aufenthaltserlaubnis für Schweden, in Deutschland wurden zuletzt 1,5 Prozent der Antragsteller als asylberechtigt eingestuft. Dank Schengen, sagt Prognosechef Emanuelsson, könne nun schneller ermittelt werden, ob ein Asylbewerber Flüchtling oder Betrüger ist:

„Informationen über Asylsuchende können ausgetauscht werden. Über den Fingerabdruck etwa kann man herausfinden, ob jemand bereits in einem anderen Land einen Asylantrag gestellt hat. Diese höhere Effizienz durch Zusammenarbeit hat entsprechenden Einfluss auf den Zustrom in Schweden.“

Durch die sinkende Zahl der Anträge könnten sich die Mitarbeiter nun endlich mit dringenden Fällen beschäftigen, wie etwa den Asylanträgen apathischer Kinder, die zuletzt für Schlagzeilen in Schweden sorgten. Solche Fälle seien künftig in sechs Monaten bearbeitbar verspricht Emanuelsson.

Illegaler Zustrom bleibt konstant 

Kritiker bemängeln jedoch, nicht zuletzt die immer schärferen Einwanderungsregelungen sorgten für sinkende Asylantenzahlen. Viele Flüchtlinge hätten schon gar nicht mehr die Hoffnung, in Europa aufgenommen zu werden, argumentieren Menschenrechtsorganisationen. Zudem hatte der schwedische Rundfunk erst vor einem Jahr aufgedeckt, dass sich Asylbewerber bewusst die Finger verstümmeln, um bei neuen Einreiseversuchen nicht vom Fingerabdrucksregister wieder erkannt zu werden. Doch laut Hans Emanuelsson von der schwedischen Einwanderungsbehörde bietet der Zustrom illegaler Ausländer in Schweden keinen Anlass zur Besorgnis:

„Die Dunkelziffer in Schweden dürfte nicht sehr hoch sein. Aber auf dem Kontinent gibt es wohl Tendenzen, wonach die Leute sich nicht einmal mehr die Mühe machen, Asyl zu beantragen. Die bleiben von vornherein illegal.“

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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