Aktuelles Thema vom 26.7.2001

Der heimischen Wirtschaft wird in Schweden genauso auf den Puls gefühlt wie in Deutschland. Hierzulande gibt es dafür sogar eine staatliche Behörde, das Konjunkturinstitutet, das jedes Vierteljahr einen Bericht zur Lage der Nation erstellt. Die vorgestellten Zahlen und Statistiken über die schwedische Wirtschaft zeigten: Das schwedische Konjunkturbarometer hat im vergangenen Quartal nicht in allen Wirtschaftsbereichen gleichmässig ausgeschlagen. Während einige Branchen Gewinne einfuhren, verzeichneten andere Verluste. Dabei gab es allerdings mehr Verlierer als Gewinner, hat das Konjunkturinstitut ermittelt.

Über einen besseren Umsatz freuen sich nur der Handel und die Bauindustrie. Die Bauunternehmer haben sogar ernsthafte Sorgen mit dem Arbeitsmarkt: Weil der kein qualifiziertes Personal mehr hergibt, werden neue Bauvorhaben auf die lange Bank geschoben, die Auftragsbücher sind bereits jetzt randvoll.
Davon kann die Schwerindustrie nur träumen, hier sieht es gleichmässig schlecht aus. Die Aufträge gingen innerhalb der vergangenen drei Monate zurück, sowohl aus dem In- wie aus Ausland. Einige Unternehmen mussten sogar ihre Produktion herunterfahren. Auch das Aushängeschild der schwedischen Wirtschaft, die Computerbranche, verzeichnet kaum Zuwächse. Und auch die Nachfrage nach IT-Spezialisten hat sich nicht verstärkt .

Insgesamt ist die schwedische Wirtschaft in den vergangenen drei Monaten kaum gewachsen, sagt Ingemar Hansson, Generaldirektor des Konjunkturinstituts: ”Das liegt hauptsächlich an der internationalen Konjunktur. Die Importe der grossen Länder haben abgenommen, und das wirkt sich negativ auf schwedische Exporte aus. Das sahen wir an den Ausfällen der letzten Monaten und das sehen wir an den Erwartungen der Unternehmen.”

Die Unternehmer sehen jetzt pessimistischer in die Zukunft, meint Hansson. Eigentlich hatte man erwartet, dass die schwedische Wirtschaft mit bis zu 2 Prozent wachsen würde - diese Marke hat sie im zweiten Quartal dieses Jahres verfehlt. Auch für das kommende Vierteljahr rechnet Hansson nicht mit einer Konjunktursteigerung, sondern eher mit einer gleichbleibenden Entwicklung. Das könnte sich auch ausserhalb der Wirtschaft bemerkbar machen, sagt Ingemar Hansson: ”Bis jetzt gab es keine negativen Auswirkungen auf den Staatshaushalt, aber der reagiert empfindlich auf die Beschäftigungssituation, wenn die Beschäftigung abnimmt, nehmen auch die Steuereinnahmen ab, damit werden auch die Staatsfinanzen geschwächt.”

Wirtschaftsminister Bosse Ringholm wollte sich heute nicht zu den vorgestellten Zahlen äussern. Einschätzungen will er erst geben, nachdem sich die gesamte Regierungsmannschaft ein Bild von der Situation gemacht hat.

Hans-Peter Fischer

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