Schweden plant keine UNO-Initiative gegen Menschenklonen

Die Ankündigung italienischer und amerikanischer Ärzte, demnächst Klon-Babys zu schaffen, hat besonders in Deutschland und Frankreich Politiker auf den Plan gerufen. Sie arbeiten auf ein internationales Verbot für das Klonen von Menschen hin.
Der norwegische Gesundheitsminister Tore Tönne hat sich heute dem deutsch-französischen Vorschlag angeschlossen. Norwegen könne sich vorstellen die Initiative zu ergreifen, damit ein weltweites Verbot für Menschenklonen in den Vereinten Nationen behandelt wird, erklärte Tönne heute. Das offizielle Schweden hingegen hält offiziell in dieser Frage noch bedeckt und verweist auf die nationale Gesetzgebung.

Ähnlich wie in Deutschland ist das Klonen von Menschen in Schweden zum Schutz des Embryos gesetzlich verboten. Frauen in Schweden darf man also keine befruchteten Eizellen einpflanzen, die vorher Versuchen ausgesetzt worden sind. Dieses Verbot gilt auch für Eizellen, die vor ihrer Befruchtung in irgendeiner Weise manipuliert worden sind.
Ob dieses Gesetz von 1991 verschärft werden muss, untersucht zur Zeit ein parlamentarisches Komitee. Seine Vorschläge soll es spätestens im Jahr 2003 präsentieren.
Doch die Entwicklung geht offenbar schneller voran als die politischen Mühlen mahlen.
Auf Radio Schwedens Anfrage verwies der Pressesekretär des Sozialministeriums, Anders Teljebäck, auf die bestehende Gesetzgebung. Schweden plant gegenwärtig keine UNO-Initiative wie die norwegische.
Und die Welt der Wissenschaft ist gespalten. Während einige Möglichkeiten für die Stammzellenforschung sehen, sind andere Wissenschaftler eher vorsichtig in ihrer Beurteilung. Das Risiko für Gesundheitsschäden bei genetischen Kopien sei viel zu groß, urteilt Professor Håkan Olsson vom Universitätskrankenhaus in Lund.

O-Ton
"Es ist ja schon länger bekannt, dass es zu sogenanntem frühzeitigen Altern oder frühzeitigen Krankheiten kommt, wenn man Zellen von erwachsenen Tieren oder Menschen klont", sagt der Spezialist für erbliche Krebsformen.

Vereinfacht gesagt werden beim Klonen Kinder aus den Zellen erwachsener Lebewesen geschaffen. Der genetische Inhalt dieser Zellen kann im Laufe der Jahre schon vor dem Klonen Schäden erlitten haben, erläutert Håkan Olsson. Diese Veränderungen können teilweise repariert werden. Aber es kann sich auch um bleibende genetische Schäden handeln, die sich später bemerkbar machen.

Durch das Klonen von Menschen, wie italienische Fortpflanzungsmediziner es jetzt durchführen wollen, könnten unfruchtbare Menschen Kinder bekommen. Kinder, die exakte Kopien dieser Erwachsenen sind. Doch Menschen, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können, zu helfen, ist nur die eine Seite der Medaille. Medizinische Vorteile sieht Olsson nicht. Deswegen empfiehlt er eine gesetzliche Regelung des Klonens von Menschen.

O-Ton
"Ich glaube, dass wir Regeln und Gesetze brauchen - zumindest vorläufig. Man kann ja kaum voraussagen, wie die Entwicklung weitergehen wird. Es hat sich ja gezeigt, dass alles neue Wissen in die Medizin und in unser Alltagsleben einbezogen wird. Bevor das geschieht, gehen Offenheit gegenüber dem Neuen und die Furcht davor Hand in Hand", weiß der schwedische Wissenschaftler aus Erfahrung.

Sybille Neveling

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