Aktuelles Thema vom 15.8.2001


Regierung will beim Strom nachrechnen

Jeder soll sich den Stromzulieferer frei aussuchen können. Mit der Deregulierung des Strommarktes hat sich Schwedens Regierung erhofft, dass die Preise sinken und die Verbraucher zufrieden werden. Doch diese Gelegenheit wurde von den wenigsten wahrgenommen und die Preise sind in den letzten Monaten kräftig gestiegen - zu kräftig. Die Regierung will jetzt untersuchen lassen, warum.

Im nordischen Stromvergleich liegen die schwedischen Preise höher als in den Nachbarländern. Während der Durchschnittspreis hierzulande bei 29,2 Öre liegt, werden in Norwegen lediglich 25,6 Öre sowie in Finnland gar nur 21,7 Öre für die Kilowattstunde verlangt. Gerade in letzter Zeit konnte beobachtet werden, dass die Preise in Schweden bei den fünf größten Versorgern um bis zu 40 Prozent gestiegen sind. Anlaß genug für Wirtschaftsminister Björn Rosengren nachzuprüfen, ob alles rechtens ist: ”Das ist schon ernstzunehmen, wenn man daran denkt, wie schnell die Preise in letzter Zeit gestiegen sind. Das kann nicht ausschließlich daher kommen, dass wir ein trockenes Jahr hatten. Deshalb habe ich jetzt diese Schnelluntersuchung einberufen. Die soll nachprüfen, wie diese Preise entstanden sind.”

Schwedens sozialdemokratische Regierung gehört zu den Vorreitern was die Deregulierung von Märkten angeht, die einstmals unter staatlichem Monopol gestanden haben. Gleich ob Telefon oder Strom - relativ früh wurde der private Wettbewerb mit der freien Wahl des Verbrauchers zugelassen.

Doch die freie Wahl hat es dem Verbraucher nicht einfach gemacht. Er kann sich seit 1998 entscheiden, ob er einen festen Strompreis will, oder einen gebundenen mit einer Laufzeit von einem, zwei oder drei Jahren oder ober einen freien Preis mit Höchstbetrag wählen will. Um das ganze noch zu komplizieren bieten nicht alle Versorger die gleiche Palette an. Hinzu kommt dann eine Stromrechnung, die an Unübersichtlichkeit kaum noch zu überbieten ist, mit Strompreis, Netzabgabe, Energiesteuer und Mehrwertsteuer.

Kein Wunder dass nur ein Fünftel der Verbraucher letztendlich aktiv eine Wahl beim Stromversorger getroffen haben. Bei einem relativ kleinen Markt wie Schweden, wo dazu noch die drei größten Versorger knapp 3 Millionen der insgesamt 4,8 Millionen Haushalte bedienen, ist der Druck auf den Preis dann nicht allzu hoch.

Jetzt will die Regierung prüfen, ob die hohen Preise nicht vielleicht auch auf Absprachen der wenigen Großen zurückgeführt werden können. Wirtschaftsminister Rosengren will dann auch drastische Maßnahmen nicht ausschließen: ”Das kann dazu führen, dass wir die befindlichen Voraussetzungen ändern. Dass wir auf irgend eine Weise regulierend eingreifen werden.”

Das wäre ein Rückschritt und das Eingeständnis, dass die freien Kräfte des Marktes nicht so funktionieren, wie sich die Regierung das erwartet hat. Noch im Herbst wurde das ganze Unternehmen als Erfolg gefeiert. Die Priese waren gesunken und hatten die Haushalte um 10 bis 15 Milliarden Kronen entlastet. Dann kam ein kalter Winter und Preiserhöhungen.

Die Stromgesellschaften schieben unterdessen die Schuld auf die Strombörse Nordpool. Auf diesem Spot-Markt für elektrischen Strom hätten die Preise in den letzten Monaten eben angezogen. Gleichzeitig verkünden die meisten der privaten Unternehmen, dass in den letzten Monaten satte Gewinne erzielt wurden.

Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang zwischen gestiegenen Strompreisen und hohen Gewinnen sieht. Ein erster Bericht der von der Regierung einberufenen Untersuchungskommission soll bereits im September vorliegen.

Dieter Weiand

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