Das aktuelle Thema vom 16.8.2001


Kommission untersucht Preisabsprache SAS-Maersk

Die Lage spitzt sich zu für die Skandinavische Fluggesellschaft SAS. Gestern ernannte der Aufsichtsrat drei Mitglieder einer unabhängigen Kommission, die die illegale Preisabsprache mit der dänischen Maersk Air prüfen sollen. Das Ergebnis der Untersuchung wird über das Sein oder Nichtsein der Konzernleitung entscheiden.

Alle Papiere auf den Tisch, forderte der Vorsitzende des Aufsichtsrats Harald Norvik, der nun die Rolle der Konzernleitung klargestellt wissen will. Drei Juristen aus Norwegen, Schweden und Dänemark haben nun den Auftrag erhalten, herauszufinden, ob und in welchem Umfang die Konzernleitung über das Kartell SAS-Maersk informiert war.
Die Probleme begannen am 18. Juli, als die EU-Kommission SAS und die dänische Maersk Air zu insgesamt 480 Millionen Kronen Strafe verurteilte. Die beiden Fluggesellschaften waren eine illegale Preisabsprache eingegangen und hatten die nordischen Fluglinien unter sich aufgeteilt. Mit den entsprechenden Folgen für die Passagiere: Nachdem Maersk dem Konkurrenten die Strecke Stockholm Kopenhagen überlassen hatte, war der Preis fürs Ticket um 440 DM gestiegen.
Dagegen protestieren nun die Verbraucherorganisationen, besonders in Dänemark. Der schwedische Unternehmerverband fordert sogar, dass SAS die betroffenen Fluggäste entschädigt.”Wenn wir bis zum 24. August von SAS keine Reaktion erhalten haben, ziehen wir vors Gericht”, erklärte Geschäftsführer Åke Fågelberg.
Der Druck auf die ohnehin angeschlagene Konzernleitung wächst. Nach einer ganzen Reihe von Notlandungen und Störungen war vorigen Monat eine intensive Debatte über die Flugsicherheit bei SAS entbrannt. Die Konzernleitung schüttelte die Kritik ab. Ganz so einfach wird es in der Kartellaffäre vermutlich nicht ausgehen. Die Wallenbergstiftung, mit 8% größter Privataktionär der skandinavischen Fluggesellschaft hat durch ihren Vertreter Jacob Wallenberg mitteilen lassen, dass man eine schnelle Untersuchung als absolut notwendig ansieht. Das Vertrauen der Wallenbergs in die SAS-Konzernleitung steht auf Abruf.
Die norwegische Gewerkschaft der SAS-Angestellten will das Ergebnis der Untersuchung gar nicht erst abwarten. Sie hat den direkten Rücktritt der SAS-Chefs gefordert. Andernfalls sei es nur eine Zeitfrage bis zum nächsten Skandal.
Die drei Juristen der Untersuchungskommission sind angehalten, schnell zu arbeiten. Ihr Bericht wird in zwei bis drei Wochen erwartet. Gleich danach - so hat der Aufsichtsrat am Mittwoch beschlossen - soll eine außerordentliche Aktionärsversammlung einberufen werden. Dann wird über das Schicksal der Konzernleitung befunden.

Gundula Adolfsson

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