Kindern und Jugendlichen auf den Zahn gefühlt

In Schweden hat gestern die Schule begonnen, kein Wunder also, daß Kinder und Jugendliche z.Zt. im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stehen: Die politischen Parteien haben die Schule als Wahlkampfthema entdeckt und viele Unternehmen befürchten einen Fachkräftemangel in nicht allzu ferner Zukunft, weil es ihrer Ansicht nach einfach zu wenig Nachwuchs in Schweden gibt. Heute zog die Regierung nach: Sie veröffentlichte eine Untersuchung darüber, wie gut oder schlecht es Kinder und Jugendliche hierzulande haben.

Den meisten Kindern und Jugendlichen geht es in Schweden gut - zumindest, was das Materielle angeht: 4 von 10 besitzen ein Handy, 9 von 10 haben zu Hause Zugang zu einem Computer und bei rund der Hälfte steht ein Fernseher im eigenen Zimmer.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten, die nicht unbedingt etwas mit dem Wohlstand zu tun haben: Viele Kinder und Jugendliche beklagen ein schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern, fast die Hälfte sieht sich mindestens einmal wöchentlich Streß ausgesetzt, rund ein Drittel leidet unter körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopf- oder Bauchschmerzen.

"Es ist ein gewöhnliches Problem für Kinder, solche Beschwerden zu haben. Schwer zu sagen ist, was die Auslöser dafür sind, das können sowohl körperliche als auch psychische sein, sie können sowohl von der Schule verursacht werden als auch von der Familie", sagt die Stockholmer Sozialwissenschaftlerin Viveca Östberg. Sie hat mit einem Forscherteam rund 1.300 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren zu ihrer Lebenssituation befragt. Ursachen für die genannten psychischen Probleme führt der Bericht noch nicht an, dafür muß noch weiter geforscht werden, so Östberg. Dennoch hat die Forschergruppe die ersten Ergebnisse heute der Regierung vorgelegt.

Reaktionen erwarten die Sozialwissenschaftler in einem Punkt: Familien mit Kindern haben bei einer schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage größere finanzielle Probleme als Kinderlose, besonders betroffen: Arbeiter, Einwanderer und Alleinerziehende. Und die relative Armut von Familien, die über weniger Geld als die Durchschnittsschweden verfügen, wirkt sich auch auf die Kinder aus: Sie fühlen sich in ihrem Wohnumfeld, meist Mietshäuser, unsicher und zeigen in der Schule häufig schlechtere Leistungen

Hans-Peter Fischer

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