Nach Entlassungen - Experten machen strukturschwachen Gebieten Mut

Degerfors, Arvika, Katrineholm, Visby - Es handelt sich hier nicht um eine Reise durch die schwedische Provinz, sondern um Orte, wo der jeweils größte Arbeitgeber Kündigungen im großen Stil bekanntgegeben hat. Das flache Land ist hart betroffen von der Konjunkturflaute, für viele Gemeinden sei dies jedoch auch eine Chance, meinen Arbeitsmarktexperten. Dieter Weiand mit den Einzelheiten.

Flextronics, Carrier oder Avesta-Polarit - es sind meist internationale Unternehmen, die in der schwedischen Provinz Arbeitsplätze freisetzen. Vor allem die Entscheidung in Degerfors in Värmland, hat zu Verbitterung geführt. Hier werden 300 Arbeitsplätze abgebaut, obwohl Gewinne erarbeitet werden. Aber anderswo ist die Rendite eben noch besser. Viele rufen jetzt den Staat auf den Plan. Schwedens Regierung müsse einschreiten, doch die kann nur zuschauen. Besonders schlimm, dass Kleinstädte in strukturschwachen Regionen betroffen sind, meint Anders Johansson von der Arbeitsmarktbehörde: "Das ist schon eine sehr schwierige Lage mit großen Konsequenzen, vor allem im Fall von Degerfors und Visby."

Die nachlassende Konjunktur ist die Ursache, dass in der Industrie Arbeitsplätze abgebaut werden. Wenn in Orten mit ein paar tausend Einwohnern plötzlich hunderte von Arbeitsplätzen weg sind, ist das ein schwerer Schlag für die betroffene Region - Abwanderung in die Zentren um Stockholm, Göteborg und Malmö sind oft die Folge. Immer mehr Regionen Schwedens leiden - trotz Gegenmaßnahmen der Regierung - unter dem Phänomen. Doch soweit muß es nicht kommen, meint Johansson: "An vielen Orten - wie zum Beispiel Degerfors - gibt es eine Kultur, eine Kompetenz, ein ganzes Berufskorps."
Diese Vorzüge dürfen dann nicht einfach brach liegen, nur weil sich ein Arbeitgeber aus der Region zurückzieht. Die Chance zum Neubeginn sieht auch Ronnie Svensson, der die Entwicklung der strukturschwachen Gebiete über Jahre hinweg verfolgt und erforscht hat: "Ich bin auch optimistisch. So hat ja Arvika bereits vor 20 Jahren mobil gemacht und erfolgreich daran gearbeitet, dass der Arbeitsmarkt weniger verwundbar ist. Und auch die jetzt betroffenen Orte haben eine Chance, sich langfristig sehr positiv zu entwickeln."

Wenn ein Unternehmen eine ganze Fabrik stilllegt, muss die Gemeinde aktiv werden. Es geht nicht nur um die Arbeitsplätze der direkt Betroffenen sondern um die Zukunft der gesamten Region, meint Svensson: "Vor allem muss die Ausbildung intensiviert werden, neue Branchen müssen entdeckt werden. Dabei ist vor allem das Engagement der Gemeinden immer wichtiger geworden. Auch wenn es natürlich auch um staatliche Gelder geht. Sie müssen sich um die neuen Unternehmer kümmern. Die kommen nämlich meist nicht von außerhalb sonder die gibt es bereits vor Ort. Die müssen unterstützt werden, damit sie neue Sachen entwickeln können."

Dennoch ist die Lage in den betroffenen Kleinstädten prekär, wenn sie nicht als solche erkannt wird. Anders Johansson erklärt, was auf jeden Fall vermieden werden muss: "Es ist eine Sache, wenn Arbeitsplätze verschwinden. Die kommen wieder, wenn es mit der Konjunktur bergauf geht. Das Risiko jetzt ist, dass Arbeitskräfte verschwinden. Kompetenz wandert ab, weil es ja anderenorts auch Arbeitsplatzmangel gibt. Jetzt ist es also an den Gemeinden zu mobilisieren und neue Branchen und Unternehmen zu etablieren, um die Arbeitskräfte zu halten."

Hilf dir selbst lautet die Botschaft aus der Hauptstadt Stockholm. Denn Arbeitsplätze, die durch regionale Unternehmen entstanden sind, verschwinden nicht einfach durch Aufsichtsratsbeschlüsse in fernen Konzernzentralen.

Dieter Weiand

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