Nervenkrieg um Bootflüchtlinge beendet

Das tagelange Martyrium der 460 Flüchtlinge an Bord des norwegischen Frachters
„Tampa“ ist zu Ende. Nachdem sich die australische Regierung außergerichtlich mit Menschenrechtsgruppen geeinigt hatte, wurden die Menschen auf das Transportschiff „Manoora“ gebracht, das zunächst Papua-Neuginea ansteuern soll. Schwedens Außenministerin Anna Lindh zeigte sich heute erleichtert. Aber die Flüchtlingskrise hat Australien nicht nur in Skandinavien viel Ansehen gekostet.

Mehr als eine Woche saßen sie fest zwischen Containern an Deck des norwegischen Frachters „Tampa: 460 Männer, Frauen und Kinder, die überwiegend aus Afghanistan und Sri Lanka stammen. Heute nahm das zynische Spiel mit den Flüchtlingen auf hoher See ein vorläufiges Ende. Nach den Plänen der australischen Regierung sollen die Menschen von Papua-Neuginea aus nach Neuseeland und in die kleine Pazifik-Inselrepublik Nauru geflogen werden. Australiens Ministerpräsident John Howard verteidigte seine unerbittliche Haltung, die Flüchtlinge unter keinen Umständen aufzunehmen. Australien sei kein leichtes Ziel für illegale Einwanderer. Gleichwohl habe man jetzt alle Vorbereitungen zu einer humanitären Lösung gefunden und den Flüchtlingen werde geholfen, so Howard weiter.


Die Besatzung der norwegischen „Tampa“ nahm das Ende des tagelangen Nervenkriegs mit Jubel und Erleichterung auf. Sie hatte die Flüchtlinge vor zehn Tagen im Indischen Ozean aus Seenot gerettet und an Bord genommen. Der norwegische Kapitän war dann ohne Genehmigung in australische Hoheitsgewässer vor der Weihnachtsinsel gefahren und hatte sich geweigert, mit den Flüchtlingen wieder aufs offene Meer hinauszufahren. Die Menschen hatten die Tage auf dem Schiff zumeist an Deck und ohne medizinische Betreuung zubringen müssen. Sie seien dennoch soweit gesund, den Umständen entsprechend guter Dinge und sich über ihre Situation durchaus im Klaren, sagte der norwegische Botschafter Ove Thorsheim nach einem Besuch auf der „Tampa“: „Es gab keinen Jubel, aber sie sind erleichtert, dass eine Lösung in Sicht ist.“

Das Verhalten Australiens und seines wahlkämpfenden Premiers ist weltweit auf scharfe Kritik gestoßen. Schwedens Außenministerin Anna Lindh ließ wenig Zweifel, dass Australien letztlich einen hohen Preis für den Flüchtlingspoker zahlen könnte.
„Ich finde, Australien hat sein internationales Ansehen verspielt“, so Lindh ganz undiplomatisch. „Es muss doch klar sein, dass es so etwas wie eine humanitäre Verantwortung gibt und dass die internationale Regeln des Seerechts eingehalten werden müssen. Das hier ist eine sehr ernste Situation.“

Fachleute befürchten, dass angesichts des Flüchtlingsdramas künftig Kapitäne zögern werden, Schiffbrüchige an Bord zu nehmen.

Alexander Budde

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