Proteststurm gegen Genitalverstümmelung

Die so genannte „weibliche Beschneidung“, also die Entfernung der weiblichen Klitoris, ist in Schweden seit mehr als 20 Jahren verboten. Doch in einer Dokumentation, die gestern ausgestrahlt wurde, zeigte das schwedische Fernsehen, wie einige religiöse Führer im Lande Wege gefunden haben, das Gesetz zu umgehen und ihre Überzeugungen auf Kosten der Mädchen durchzusetzen.

Das Einwanderungsland Schweden weiß seit vielen Jahren von der grausamen Praxis. Wenig ist geschehen, um den Frauen zu helfen. Umso bestürzter gaben sich die verantwortlichen Behörden nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Die vergessenen Frauen“. Vor versteckter Kamera machten christlich-orthodoxe Priester und muslimische Imame eindeutige Angebote, wie die Kinder außer Landes geschafft und dort beschnitten werden könnten. Schwedische Mädchen berichteten vor der Kamera über ihre traumatischen Erlebnisse. Tausende junger Mädchen, zumeist somalischer Herkunft, sind bedroht, meint Oscar Odin, der Produzent des Films.

„In Schweden sind rund 5000 junge Mädchen, zumeist somalischer Herkunft bedroht“, meint Oscar Odin, der Produzent des Films. „Das ist ein großes Problem, dass Politik und Gesellschaft noch gar nicht erkannt haben. Es gibt diese Mädchen und wir helfen ihnen nicht.“

Der Film hat einen Sturm der Empörung geweckt. Inzwischen sind zahlreiche Anzeigen gegen die beteiligten Religionsführer eingegangen. „Ich bin entsetzt“, zitiert die Nachrichtenagentur TT den muslimischen Sozialforscher Shahid Saleem. „Dies hat nichts mit Religion zu tun“, sagte er. Der Polizei habe er einen Videomitschnitt der Sendung als Beweismittel zugeschickt. Obwohl ein Gesetz aus dem Jahre 1982 bis zu zehn Jahre Haft für die Verstümmelung androht, ist hierzulande noch kein einziger Fall angeklagt worden. Dabei wurde das Gesetz vor zwei Jahren dahingehend verschärft, dass auch Helfershelfer bestraft werden können, wenn das Verbrechen im Ausland begangen wurde.
In der Kritik stehen auch Kinderschutzorganisationen, die offenbar seit Jahren untätig geblieben sind. So wurde der parlamentarische Ombudsmann zum Schutz der Kinder im letzten Jahr auf elf betroffene Mädchen in der Region Stockholm hingewiesen. Erst elf Monate später zeigte er dies bei der Polizei an. Seine Nachfolgerin Lena Nyberg bat heute um Entschuldigung.

„Allerdings gibt es auch eine große Unwissenheit über diese intimen Dinge“, so Nyberg. Wenige Menschen wollen darüber sprechen. Gleichwohl ist es wichtig, dass wir in Schweden sagen, wir dulden diese Praxis nicht.“
Ingela Thalén, Ministerin für die Rechte der Kinder, forderte heute die Behörden und insbesondere die Polizei auf, Ermittlungen gegen die Akteure des Films aufzunehmen.

Reporter:Alexander Budde,
© 2001 Radio Schweden

Alexander Budde

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