Schweden will mit USA gegen Terror kämpfen

Nach den beispiellosen Terroranschlägen in New York und Washington arbeitet die US-Regierung mit Hochdruck an einer internationalen Koalition für einen Vergeltungsschlag. Das neutrale Schweden versicherte den USA heute seinen Beistand im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Auf einer Krisensitzung in Brüssel warnte Außenministerin Anna Lindh jedoch vor einer überstürzten Reaktion.

Noch bevor bekannt ist, gegen wen sich der Vergeltungsschlag richten soll, schließen sich die Reihen der Verbündeten hinter den USA. Dänemarks Regierungschef Poul Nyrup Rasmussen gehörte zu den ersten, die den USA militärischen Beistand bei einer möglichen Nato-Aktion gegen die Urheber der Anschläge zusagte. Die Länder der Europäischen Union versicherten in einer Erklärung der US-Regierung und dem amerikanischen Volk ihre uneingeschränkte Solidarität. Es werde keine Zuflucht mehr für Terroristen und ihre Geldgeber geben, erklärten die Außenminister auf ihrer Sondersitzung in Brüssel. Schwedens Außenministerin Anna Lindh warnte jedoch vor einer übereilten Vergeltung. Es sei zu früh, um Schlussfolgerungen über die Schuldigen und die Hintergründe des Verbrechens zu ziehen.

„Wir sind uns darüber einig, dass es selbstverständlich ist, dass die USA diejenigen aufspüren und zur Verantwortung ziehen, die für diese Verbrechen verantwortlich sind. Das wollen wir alle”, so Lindh. „Es ist offensichtlich, dass militärische Mittel notwendig sein können. Aber es ist zu früh, darüber zu spekulieren, wie so etwas aussehen könnte, bevor wir wissen, wer hinter den Anschlägen steckt.”

Auch Ministerpräsident Göran Persson rief vor dem Reichstag zu entschlossenem und besonnenen Handeln auf. Über eine militärische Unterstützung der USA wird inzwischen auch im neutralen Schweden diskutiert. Die USA hätten nicht nur das Recht, sich gegen die Angriffe zu verteidigen, sondern die Pflicht, stellte der frühere konservative Regierungschef Carl Bildt fest: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass alle Länder ihren Beistand leisten. Es geht darum, unsere offene Gesellschaft zu verteidigen. Niemand von uns will in einer Welt leben, wo so etwas möglich ist.”

Seine Landsleute rief der international bekannte Außenpolitiker und frühere
Balkan-Beauftragte der Vereinten Nationen zur Geschlossenheit auf. „Wir haben weder die Alternative noch das Recht in diesem Konflikt neutral zu bleiben. Ich gehe davon aus, dass Schweden dabei sein wird. Dass Schweden alles tun wird, um auf lange Sicht an einem Netzwerk gegen den Terrorismus mitzuwirken.”

In einem Debatten-Beitrag spekulierte Bildt auch über die möglichen Drahtzieher der weltweit schwersten Terroranschläge. Es sei schwer zu glauben, schrieb Bildt, dass irgendjemand den nötigen Fanatismus sowie die finanziellen und logistischen Mittel für ein solches Verbrechen habe, als der ganz oben auf der Verdachtsliste stehende Osama Bin Laden.


Reporter:Alexander Budde,
© 2001 Radio Schweden

Alexander Budde

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