Manifest gegen die Intoleranz


Bei der ersten Wahl zum Kirchenparlament seit der Trennung von Staat und Kirche vor zwei Jahren hat die fremdenfeindliche Partei der Schwedendemokraten gerade einmal einen der 251 Sitze in der Synode der Lutherischen Kirche erobert. Ungewöhnlich viele Schweden haben ihre Stimme abgegeben. Offenbar in der Befürchtung, dass die Radikalen die traditionell geringe Beteiligung an ”Schwedens vergessener Wahl” zu populistischen Zwecken ausnutzen könnten.

Seit gut zwei Jahren gehen Kirche und Staat in Schweden getrennte Wege. Doch die Tradition, ihren eigenen ”Reichstag” einzuberufen, hat die Lutherische Kirche beibehalten. Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt. Doch war die Wahlbeteiligung von gut 14 Prozent des Kirchenvolkes so hoch wie zuletzt in den 40er Jahren. Solch ungeahnte Aufmerksamkeit verdankt die Kirche der rechtsgerichteten Gruppierung Sverigedemokraterna, die mit populistischen Losungen in die Kirchengremien gelangen wollte.

”Nationale Solidarität, mehr Liebe zum Vaterland, mehr Unterstützung für die Kernfamilie” waren die eher harmlos klingenden Forderungen der Sverigedemokraterna. Die im übrigen aus ihrer Verachtung gegenüber Ausländern und Homosexuellen keinen Hehl machten. Dass die rechtsgerichtete Gruppierung überhaupt auf einen Wahlerfolg hoffen konnte, hat mit der geringen Wahlbeteiligung zu tun. 300 Unterschriften reichten schon aus, um einen Kandidaten für die Kirchenversammlung aufzustellen. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen könnten den Rechtspopulisten ein oder zwei Sitze in der Kirchenversammlung zustehen.

Großer Gewinner sind vor allem die wertkonservativen Christdemokraten und die Schwedische Linkspartei, die erstmals mit vier Mandaten vertreten ist.Zuwachs konnten auch einige unabhängige kirchliche Gruppen verzeichnen. Erstmals standen die Wahllokale auch für Jugendliche ab 16 Jahren offen. Und gerade aus dieser Gruppe hatten die politischen Jugendverbände in den Großstädten offenbar besonders viele Wähler mobilisieren können. Zufrieden äußerte sich auch Erzbischof KG Hammar:

”Das ist ganz phantastisch. Dass wir als abgewickelte Staatskirche - also Freie Schwedische Kirche - einen solchen Zulauf haben und noch dazu mit einem reformierten Wahlsystem. Ich bin heute sehr stolz über unseren Erfolg.”

Stolz ist er auch auf die engagierten Christen im Land, die offenbar in Massen für die Einheit ihrer Kirche gestimmt haben. ”Mich beeindruckt, dass so viele Menschen gesagt haben: Wir müssen Verantwortung für die Kirche übernehmen und klar machen: Nein, eine solche Kirche wollen wir nicht. Sie soll offen und humanitär bleiben.”

Den Einfluss, den die Sverigedemokraterna mit ihren einsamen Abgeordneten nehmen können, schätzt der Erzbischof als äußerst gering ein. Doch nach den Wahlen wird jetzt laut die Frage gestellt, warum die politischen Parteien nach der Trennung die Kirche nicht verlassen haben. Gedanken, die nicht nur dem neuen Vorsitzenden der Kirchenversammlung, Carl Gustaf von Ehrenheim, Mitglied der Moderaten, zu weit gehen. ”Die Kirche ist eine starke meinungsbildende Kraft”, gab von Ehrenheim in ersten Kommentaren zu verstehen. Er könne sich nicht vorstellen, dass die großen Reichstagsparteien den Versuch aufgeben könnten, zumindest einen gewissen Einfluss zu behalten.

Alexander Budde

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