Bankenfusion in Schweden abgesagt


Nach den gescheiterten Fusionsplänen der beiden schwedischen Großbanken SEB und Föreningssparbanken hat Ministerpräsident Göran Persson die EU-Kommission scharf kritisiert. Das Wettbewerbsrecht der Union benachteilige kleine Länder wie Schweden, argumentiert Persson. Doch Verbraucherschützer und Bankkunden zeigten sich heute zufrieden, dass die Fusion zur zweitgrößten Bank Skandinaviens abgesagt ist.

Die beiden Institute hatten am Mittwoch ihren geplanten Zusammenschluss zur dann zweitgrößten Bank Skandinaviens überraschend abgesagt. Durch die Auflagen der EU-Kommission gehe der Wert der Fusion verloren, teilten beide Banken in Stockholm mit. Die Wettbewerbshüter hätten eine Genehmigung davon abhängig gemacht, dass die Banken einen erheblichen Teil ihres Filialnetzes veräußern, sagte der einflussreiche SEB-Eigner Jacob Wallenberg. Damit sei aber weder den Kunden, noch Personal und Aktionären gedient.

Die Brüsseler Kommission hatte moniert, dass die neue Bank eine zu dominierende Stellung auf dem schwedischen Markt bekommen würde. Nach der jüngsten Fusionspleite schwedischer Konzerne forderte Ministerpräsident Göran Persson, die EU-Regeln zu überdenken. Bei den Auflagen hätten kleine, dünner besiedelte Länder nicht dieselben Möglichkeiten, effiziente Einheiten zu schaffen wie große.

”Es fällt schon auf, dass man einen gemeinsamen Markt in Europa anstrebt aber in der Praxis jene Länder benachteiligt, die nur einen kleinen Marktanteil beeinflussen. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass man zusieht, wie deutsche und französische Konzerne stärker werden, während schwedische, finnische, griechische und portugiesische Firmen keine Chance haben, am Wettbewerb teilzunehmen. Das ist strukturell falsch gedacht.”

Konzerne in Deutschland, Frankreich und Großbritannien seien oft größer als die Konkurrenten in den kleineren EU-Ländern. Diese marktbeherrschende Stellung großer Konzerne in Europa hätte Wettbewerbskommissar Mario Monti mitbedenken müssen, meint Persson. Eine drohende Übernahme schwedischer Banken sehe er derzeit jedoch nicht.

”Das heißt nicht, dass hier eingekauft wird. Schwedische Banken werden Allianzen mit europäischen Partnern suchen. Aber wir haben die Möglichkeit für eine starke schwedische Bank verpasst. Und das könnte sich als ein Nachteil für uns herausstellen.”

Auf dem Papier ergänzen sich die beiden schwedischen Kreditinstitute trefflich: Föreningssparbanken ist traditionell ein Haus für kleine Sparer, Kleinanleger und mittelständische Unternehmen. Die SEB ist dagegen auf Großunternehmen und internationale Finanztransaktionen spezialisiert. Doch Verbraucherschützer und Bankkunden zeigten sich heute erleichtert, dass die Fusion zur zweitgrößten Bank Skandinaviens vorerst auf Eis liegt. Der Europaparlamentarier Olle Schmidt von der liberalen Volkspartei meint, dass Wettbewerbskommissar Monti richtig entschieden hat. Schließlich gehe es um die Interessen der Kunden.

”Ich denke die Entscheidung ist aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nachvollziehbar. Und ich denke auch, dass die schwedischen Kunden dies auf längere Sicht begrüßen. Es wird mehr Angebot geben, mehr Bankinstitute, mehr Dienstleistungen, bessere Preise. Also mehr Wettbewerb in Schweden.”

Die Fusionspleite ist nicht der erste Rückschlag für schwedische Unternehmen. So wurde im Vorjahr das Begehren des Automobilkonzerns Volvo abgewiesen, den Partner Scania zu kaufen. Die Entscheidungen aus Brüssel sind Folge des verschärften Wettbewerbsrechts, das seit 1993 in der Union gilt. Die wenigsten Unternehmer hätten die Zeichen der Zeit erkannt, meint der frühere Chefökonom des schwedischen Kartellamtes und jetzige Unternehmensberater Mats Bergman.

”Die schwedischen Firmen haben noch nicht begriffen, dass harte Wettbewerbsregeln gelten, an die man sich halten muss. Früher waren die Absprachen leichter. Auch Zusammenschlüsse, die zu einer Monopolstellung führen konnten. Es war einfach bequemer. Man konnte die Kunden leichter ausnutzen.”

Doch nicht alle nordischen Fusionen scheitern. Die schwedische Nordbanken hat in den letzten Jahren ihre Zusammenarbeit mit Banken in Finnland, Dänemark und Norwegen ausgebaut. Eine zukunftsweisende Lösung, meint Bergman. ”Wenn sich Unternehmen über die Grenzen hinweg zusammen tun, gibt es meist keine negativen Effekte. Es ist ganz offensichtlich, dass die harten Regeln für den Wettbewerb solche internationalen Zusammenschlüsse lohnend machen.”

Alexander Budde

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