Sozialdemokraten im Streit um USA-Unterstützung

Schweden unterstützt die USA und ihren Kampf gegen den Terrorismus - auch, wenn es dabei zu Militäraktionen kommt. Auf diese Position haben sich alle schwedischen Parteien geeinigt, Ministerpräsident Göran Persson hat sie so auch international vertreten. Jetzt regt sich jedoch Widerstand innerhalb Perssons eigener Partei, den Sozialdemokraten.

Die schwedischen Sozialdemokraten unterstützen die USA im Kampf gegen den Terrorismus, und zwar auch bei Militäraktionen, so lautete bisher die offizielle Haltung der Partei. Doch dieser Konsens ist jetzt gefährdet. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob auch militärische Angriffe gutgeheißen werden sollen. Die Kritik kommt von der sozialdemokratischen Frauenorganisation und deren Vorsitzenden, Inger Segelström.

Zeitungsberichte, wonach sich die Partei jetzt spalten könnte, weist sie allerdings zurück: ”Das ist stark übertrieben. Was jetzt wichtig ist, ist das die Welt gemeinsam gegen den Terrorismus kämpft. Die sozialdemokratischen Frauen sind immer für den Frieden eingetreten, wir hätten lieber gesehen, dass die Vereinten Nationen eine friedensbewahrende Rolle eingenommen hätte. Ein Krieg löst kein Problem, sondern schafft nur mehr Gewalt.”

Auch die sozialdemokratischen Frauen unterstützen die USA und eine Bekämpfung des Terrorismus. Sie sind jedoch davon überzeugt, daß in der jetzigen Situation nicht militärische Gewalt, sondern Verhandlungen und wirtschaftliche Sanktionen angezeigt sind. Damit stellen die Kritiker nicht nur die bisherige Haltung ihrer Partei, sondern auch deren Auslegung der UNO-Resolutionen in Frage: Der Vorsitzende Göran Persson hält es für kristallklar, dass sich die Vereinten Nationen auch mit militärischen Angriffen einverstanden erklärt haben. Dagegen meinen die sozialdemokratischen Frauen, dass die UNO zwar den Kampf gegen den Terrorismus unterstütze, nicht aber Militärschläge.

An dieser Haltung zeige sich ein prinzipieller Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Denken, erklärt Inger Segelström: ”Die ganzen Muster, die in den letzten zwei Wochen die Massenmedien bestimmt haben, waren männlich. Männer in Uniformen, die geredet haben. Dagegen wissen wir doch, dass in einem modernen Krieg kaum Militärs zu schaden kommen, sondern zu 80, 90 Prozent Zivilisten, Frauen und Kinder. Das sind auch die, die ihre Heimat verlassen müssen und zu den Flüchtlingen überall auf der Welt werden. Deswegen glaube ich, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem, was Frauen denken und dem, was Männer denken.”

Die sozialdemokratischen Frauen versuchen jetzt, die eigene Partei und die Vereinten Nationen von ihrer aktuellen Linie abzubringen. Sozialdemokraten und UNO sollten zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Gewalt und einer weiteren Eskalation das Wort reden, sondern Vermittlerrollen übernehmen.

Hans-Peter Fischer

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