USA legen Beweise gegen bin Laden vor

Die USA informierten ihre Verbündeten gestern über den Stand der Ermittlungen nach den Terroranschlägen in New York und Washington. Doch was genau dabei herauskam, wurde nicht öffentlich gemacht. Und so hält sich auch Anna Lindh, die schwedische Außenministerin, mit Einzelheiten zurück.

Der Botschafter der USA in Schweden, Charles Heimbold, verlangte am Dienstag nachmittag, dringend mit Anna Lindh zu sprechen. Grund waren die streng vertraulichen Informationen, mit denen die USA am Dienstag ihre Verbündeten in aller Welt über den Ermittlungsstand in Kenntnis setzten. Doch mitteilen, welche Informationen sie genau erhalten hat, das konnte die Außenministerin nicht, ”das würde das Vertrauen missachten, das wir vor den USA erhalten haben”, so Lindh. Nur so viel konnte sie sagen: ”Ich bin zufrieden mit den Informationen, die wir bekommen haben, aber ich will das Material nicht kommentieren, das wir gestern Abend durchgegangen sind. Die USA haben bin Laden bereits früher angeprangert, und daran gibt es nichts zu bezweifeln.”

Ein Sprecher des schwedischen Außenministeriums bestätigte, die USA hätten Beweise für die Beteiligung bin Ladens an den Terroranschlägen vom 11. September und Verbindungen zwischen dem Terror-Netzwerk und den afghanischen Taliban vorgelegt. Anna Lindh ist der Meinung, die USA müssten selbst entscheiden, wann sie ihre Beweisführung gegen Osama bin Laden veröffentlichen. Andernfalls könnten die Untersuchung und die Möglichkeit, sich zu verteidigen, erschwert werden.

Die offene Ankündigung des britischen Premierministers Tony Blair, zum Militärschlag gegen die Taliban in Afghanistan auszuholen, erstaunte Schwedens Ministerpräsidenten nicht. ”Dass es in Afghanistan passiert, ist nach der Entwicklung der letzten Zeit nachvollziehbar. Aber ich setze voraus, dass es ausreichende Beweise gibt, um gerade dort zuzuschlagen”, kommentierte Göran Persson. Gründe, dem britischen Beispiel zu folgen und im Kampf gegen den Terrorismus die Asylgesetzgebung zu verschärfen, gäbe es in Schweden derzeit nicht, so der Regierungschef.

Kopfzerbrechen bereitet der schwedischen Regierung jedoch noch eine andere Frage. Inwiefern sie mutmaßliche Täter ausliefern soll, wenn sie in Amerika von der Todesstrafe bedroht sind. Schließlich hätten sich einige der Täter in Europa vorbereitet. Nicht ausgeschlossen sei, dass sich einige der Hintermänner noch in Schweden aufhalten. Sollte eine Auslieferung aktuell werden, wird das Land mit den USA verhandeln, inwieweit die Todesstrafe ausgesetzt werden kann, so die Außenministerin.

Alexander Budde

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