Richtlinien für Stammzellenforschung

In der Stammzellenforschung gehört Schweden zur Weltspitze. Hier können die Wissenschaftler mit Versuchsmaterial arbeiten, bei dem ihre Kollegen z.B. in Deutschland neidisch werden: Unter bestimmten Bedingungen stehen ihnen embryonalen Zellen zur Verfügung. Doch auch in Schweden wird über die ethischen Grenzen solcher Forschung diskutiert, morgen will der Wissenschaftsrat in einer Richtlinie festlegen, was vertretbar ist und was nicht.

Ist Forschung an embryonalen Stammzellen zulässig oder nicht? Bisher galt als Antwort auf diese Frage ein entschiedenes Jein: Die Zellen von Ungeborenen dürfen dann wissenschaftlich untersucht werden, wenn sie sozusagen als Abfallprodukt ohnehin anfallen. Das ist dann Fall, wenn sich bei einer künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers mehr Eizellen zu Embryonen entwickeln als wieder eingepflanzt werden. Diese bis zu einer Woche alten menschlichen Zellen, die sog. Stammzellen, können noch jegliche Funktion im späteren Organismus übernehmen. Forscher versprechen sich von den Erkenntnissen über die Zellspezialisierung große medizinische Fortschritte.

Diese wissenschaftliche Forschung wird in Schweden als ethisch vertretbar angesehen, auch vom schwedischen Wissenschaftsrat. Allerdings gibt es auch andere Haltungen dazu, besonders seitens kirchlicher Gruppen der und Christdemokraten. Ihr Hauptargument bisher: sobald eine Eizelle befruchtet ist beginnt das menschliche Leben, und das sei nun einmal unantastbar, auch dem wissenschaftlichen Wissensdrang sei hier eine Grenze gesetzt. Doch der Widerstand bröckelt: Stammzellenforschung ist notwendig, auch an embryonalen Zellen, sagte der Vorsitzende der Christdemokraten Alf Svensson am Wochende.

Hier dürfte die erwartete Richtlinie des Wissenschaftsrats also nicht für Kritik sorgen. Abzusehen ist nämlich, daß das Expertengremium morgen seine bisherige Linie festschreibt. Forschung an überschüssigen befruchteten Eizellen ja, Züchtung embryonaler Zellkulturen zu Untersuchungszwecken oder gar therapeutisches Klonen nein.

Dabei wären die Forscher gerade an letzterem interessiert. Beim therapeutischen Klonen werden die genetischen Informationen einer Stammzelle entfernt und durch fremde ersetzt. Die sich entwickelnde Zelle trägt dann die Erbinformationen eines anderen Menschen. Damit, meinen die Forscher, ließen sie sich problemlos in eben diesen Menschen verpflanzen, um Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zu bekämpfen, Abstoßreaktionen des Körpers gegen fremde Zellen bleiben aus.

Das letzte Wort wird aber auch mit der Entscheidung des Wissenschaftsrats noch nicht gesprochen sein. Zukünftige schwedische Gesetze, ganz zu schweigen von europäischen, könnten etwas ganz anderes festlegen.


Hans-Peter Fischer

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