Ja zum therapeutischen Klonen

In der Stammzellenforschung gehört Schweden zu den führenden Nationen, was u.a. daran liegt, daß Wissenschaftler hier auch embryonale Zelle benutzen. Das wird in vielen anderen Ländern wie der Bundesrepublik allerdings als ethisch nicht vertretbar gesehen. Heute hat der schwedische Wissenschaftsrat Stellung bezogen.

In den jetzt festgelegten Richtlinien für die Stammzellenforschung geht der schwedische Wissenschaftsrat über seine bisherige Haltung hinaus: Ab sofort hält das Expertengremium auch das therapeutische Klonen für ethisch vertretbar. Bisher wurde nur die Forschung an Stammzellen als moralisch angesehen, und auch nur dann, wenn erforderliche embryonale Zellen bei Reagenzglasbefruchtungen übrig blieben.

Beim therapeutischen Klonen werden dagegen menschliche Zellkulturen extra geschaffen. Dazu wird einer Eizelle der Kern mit den eigenen Erbinformationen entfernt und durch die Gene eines fremden Menschen ersetzt. Daraus entwickelt sich dann ein Embryo, gemäß den eingepflanzten Erbinformationen. Warum das Gremium dies als moralisch unbedenklich ansieht, erklärt der Vorsitzende Bengt Westerberg: ”Vor allem, weil wir das für vielversprechend halten. So kann man große Fortschritte erzielen und allmählich Patienten mit schweren Krankheiten helfen.”

Damit ist der Weg allerdings noch nicht frei: Zum einen spricht der Wissenschaftsrat lediglich Empfehlungen aus, zum anderen läßt schwedisches Recht therapeutisches Klonen bislang nicht zu. Damit die Forscher wirklich in diesem Feld tätig werden können, müssen also erst die gesetzlichen Einschränkungen aufgehoben werden. Hier hat Forschungsminister Thomas Östros bereits Entgegegenkommen signalisiert. ”Als Forschungsminister will ich natürlich Möglichkeiten für die Forschung sehen. Das ist ein Gebiet, in dem Schweden weit vorne liegt und auf dem wir nach einer rigorosen ethischen Prüfung Fortschritte zur Heilung schwerer Volkskrankheiten machen können”, sagte Forschungsminister Östros.

Aber selbst wenn therapeutisches Klonen in Zukunft nach schwedischem Recht erlaubt wäre, widerspricht es noch immer der europäischen Menschenrechts- und Biomedizinkonvention. Die hat Schweden allerdings bislang nicht unterschrieben. Der Wissenschaftsratsvorsitzende Bengt Westerberg meint, man solle einfach eine Ausnahme beantragen.

Hans-Peter Fischer

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