Chefredakteur Berner geht...

Bei der schwedischen Boulevardzeitung Expressen schnurrt das Personalkarussel. Nach nur acht Monaten verlässt der jetzige Chefredakteur Joachim Berner seinen Posten.

Früher sassen die Chefredakteure fest im Sattel, hatten sie ihn einmal erklommen. Bei Expressen war das nach der Gründung des Blattes im Jahre 1944 zunächst Ivar Harrie, der 15 Jahre blieb. Bis 1991 hatte er zwei Nachfolger. Doch als es der Zeitung schlechter ging, suchte die Leitung die Lösung des Problems bei ihren Chefredakteuren. In den letzten 10 Jahren wurden fünf Medienmacher mit der Aufgabe betraut. Doch nach Ansicht von Karl Erik Gustafsson, Professor in Medienökonomie, gingen die Probleme schon früher los: "Eigentlich fing es schon in den 80er Jahren an, als die Regionalredaktionen vermindert wurden und sich Expressen zur Stockholmer Zeitung entwickelte. Dann hat man am Anfang der 90er Jahre ein paar falsche redaktionelle Entscheidungen gefällt und danach glaubte man, die Krise mit neuen Chefredakteuren schnell zu überwinden. Das ist wohl eine der Erklärungen, warum es schlechter und schlechter gegangen ist."

Dabei hatte Berner eine Menge Ideen: Die traditionell wichtigen Sportseiten wurden im Umfang reduziert, das Fernsehprogramm landete in einer Extrabeilage. Und im Sommer wurde das Layout der Zeitung gänzlich umgekrempelt. Berner war sich nicht zu fein, dafür in einem grossen Interview in der ebenfalls zum Bonniers-Verlag gehörenden Tageszeitung Werbung zu machen. Doch vielleicht hat er nicht das richtige Zeug zum Chefredakteur beim Abendblatt, gab er sich jetzt nachdenklich: "Als ich bei DN gearbeitet habe, wurde ich beschuldigt, zu sensationell zu sein. Und hier musste ich hören, dass ich besser zu den Abonnement-Zeitungen passe. Ausserdem meinte man, mein Hintergrund passe nicht für die Zielgruppe. Man muss der Arbeiterklasse angehören, um für eine Boulevardzeitung arbeiten zu können."

Doch auch personalpolitische Entscheidungen könnten mit dem Abschied Joachim Berners zu tun haben. Vor knapp zwei Wochen wurde ihm mitgeteilt, dass ab Januar Thorbjörn Larsson als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke von Expressen mitbestimmen wird. Die schlechte Entwicklung und dass es schwer werden wird, mit Thorbjörn Larsson zusammenzuarbeiten, so Berner, hätten ihn dazu bewogen, seinen Posten als Chefredakteur von Expressen aufzugeben.

Agnes Bührig

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista