Entlassungen bei Continental in Gislaved

Der Konjunkturrückgang in Schweden macht sich deutlich bemerkbar. Rund 1 600 Arbeitsplätze in der schwedischen Industrie geraten in die Gefahrenzone. Erneut haben mehrere Unternehmen umfassende Stellenstreichungen angekündigt.

Die betroffenen Mitarbeiter sind bestürzt und erzürnt: "Ich war der Meinung, dass das ein sicherer Arbeitsplatz war und habe sogar meinen Kindern geraten bei Conti zu arbeiten. Ich weiß nicht, wie ich jetzt in meinem Alter noch mal einen neuen Job bekommen soll", sagt Ida Bäckström. Sie ist seit über 20 Jahre in Gislaved beschäftigt.

So wie ihr geht es in dieser Woche vielen Arbeitnehmern in anderen Teilen des Landes:
Volvo Aero in Trollhättan teilt mit, man werde über 300 Stellen streichen. Der Industriekonzern Trelleborg spricht von Kürzungen in der Größenordnung von ca.100 Stellen. TWR Manufacturing in Udevalla ebenfalls. Schwedens größtes Charterunternehmen, Britannia Airways, plant 250 Stellenstreichungen.

Besonderes Aufsehen erregt jedoch, dass der hannoversche Continental-Konzern seine Reifenfabrik in Gislaved zum Sommer schließt. Das Werk hat knapp 800 Mitarbeiter.
Insgesamt 1 600 Arbeitnehmer bei verschiedenen Unternehmen in Schweden, allein in dieser Woche. Das entspricht mit deutschen Massen etwa 16 000 bedrohten Arbeitsplätzen. Die meisten Betroffenen mögen etwas von den Kürzungen geahnt haben, schließlich bleibt gerade den Mitarbeitern in der Produktion ein sinkender Auftragseingang kaum verborgen. Aber so richtig wahrhaben will man so eine potentielle Katastrophe die auf einen zukommt ja meistens nicht.

Bei Conti in Gislaved gingen bereits Ende voriger Woche Gerüchte über die bevorstehende Schließung um. Dennoch klagt Kaarle Heino, der Vorsitzende der Industriearbeitergewerkschaft, dass die Mitarbeiter zu spärlich und zu spät informiert worden seien: "Ich habe das Unternehmen, seine Nonchalance und den grossen Mangel an Information stark kritisiert. Die Reaktion war nur, ’tut uns leid, sorry.’"

Der Geschäftsführer von Conti Gislaved, Gerhard Janotta, erklärt die Stillegung folgendermaßen: "Gislaved hat eine Kapazität von vier Millionen Reifen. Und wir haben vergleichsweise hohe Kosten. Auf dem Reifenmarkt besteht Überkapazität. Die Nachfrage ist deutlich rückläufig", erläutert Janotta. "Conti hat eine interne Strategie, bei der nur Werke mit einer Produktion von acht Millionen Reifen pro Jahr erwünscht sind. Und die Hälfte aller Reifen im Konzern soll aus Fabriken mit niedrigen Kosten kommen."

Das bedeutet die Verlegung der Herstellung i Niedriglohnländer, konstatiert Conti-Mitarbeiterin Ida Bäckström trocken: "Wir sind Continental zu teuer. Und da brauchen sie uns nicht mehr und wollen die Reifen da herstellen, wo es billiger ist."

Auch die angekündigten Entlassungen der anderen schwedischen Unternehmen, sind großenteils auf die internationale Konjunktur zurückzuführen. In diesem Jahr ist in Schweden insgesamt die Streichung von 62 000 Stellen angekündigt worden. Ministerpräsident Göran Persson zeigt sich bekümmert. "Ich bin natürlich besorgt über diese Entwicklung. Vor allem über Gislaved, wenn man die enormen Kürzungen in Relation zur Größe des Ortes setzt. Die zahlreichen Stellenstreichungen in Schweden insgesamt zeigen, dass vor allem die Industrie auf dem Weg in eine konjunkturelle Schwäche ist. Andere Teile des Arbeitsmarkts sind ja noch oben, so dass die Arbeitslosenquote insgesamt noch nicht sehr verändert ist. Die Schwäche ist international. Aber im Gegensatz zur vorigen Flaute hat Schweden seine Staatsfinanzen diesmal in Ordnung", kommentiert Regierungschef Persson die Lage.

Hans-Peter Fischer

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