Aufwärtstrend für schwedische Wirtschaft?

Die schwedische Industrie dümpelt in einer Flaute, das Land befindet sich in der Rezession und über dem Arbeitsmarkt ziehen sich dunkle Wolken zusammen. So könnte man die Nachrichten der letzten Tage und Wochen interpretieren. Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times hingegen sieht ein Hoffnungsschimmer.

Schweden leidet vielleicht nicht gerade unter einer Rezession, aber doch unter einer abgeschwächten Konjunktur, daran läßt auch das Wirtschaftsblatt Financial Times keinen Zweifel. Die wirtschaftliche Situation in Schweden sei somit die gleiche wie im übrigen Europa und den USA. Doch stellt die Zeitung auch fest, dass das skandinavische Land keinen Grund zur Klage hat: Hier sieht die Lage besser aus als in vielen anderen betroffenen Staaten.

Diese Behauptung wird vielen Schweden fragwürdig erscheinen: Das Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr bei ungefähr 1,5 Prozent liegen, weit unter den ursprünglich vorhergesagten 3,5 Prozent, die Zugpferde der Industrie, die Telekommunikations- und die Automobilbranche lahmen, der Export schwächelt und tagtäglich werden neue Entlassungen bekanntgegeben. Heute veröffentlichte der Unternehemerverband eine Beschäftigungsprognose für das kommende Jahr. Per Judt, Chefanalyst des Verbands, erklärte: "Es sieht düster aus, die Beschäftigungsquote wird hart getroffen werden. Wenn unsere Einschätzung stimmt, wird das 70 bis 75 Tausend Arbeitnehmer betreffen."

Die Financial Times hingegen meint: Auch wenn es der schwedischen Wirtschaft und Bevölkerung momentan nicht blendend geht, sieht es hier im Durchschnitt immer noch besser aus als in anderen Ländern. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich niedriger und wird es auch in Zukunft bleiben. Entscheidend für die positive Einschätzung sind aber in erster Linie zwei Faktoren: Die Staatskasse und die Kaufkraft der Privathaushalte.
Finanzminister Bosse Ringholm verzeichnete einen Überschuss und kündigte daraufhin Senkungen bei den Einkommens- und Vermögenssteuern an. Das wird dazu beitragen, daß die Löhne der Arbeitnehmer real steigen, schätzt die Financial Times. Die Schweden müssten also mehr Geld in den Portemonnaies haben, um zu konsumieren. Anzeichen dafür zeigen sich im Weihnachtsgeschäft: Der Einzelhandel rechnet mit deutlich besserem Umsatz als im letzten Jahr. Von dieser Kauflust, so rechnet die Financial Times, wird nicht nur der Handel, sondern auch die Industrie profitieren.

Davon sind die schwedischen Unternehmer aber nicht überzeugt, wie Per Judt sagt: "Wir glauben nicht, dass diese Steuersenkungen den privaten Verbrauch beeinflussen, das liegt daran, dass sich die Beschäftgung schwach entwickelt und das wirkt sich negativ auf das Kaufverhalten aus."

Wann sich die Wirtschaft insgesamt wieder positiv entwickelt, können die Wirtschaftsexperten momentan nicht abschätzen. In einem stimmen Financial Times und der schwedische Unternehmerverband jedoch überein: Es schimmert schon Licht am Ende des Tunnels, deutlichstes Zeichen: Die Börsenkurse steigen langsam, aber kontinuierlich.

Hans-Peter Fischer

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