Ausländische Eigner schliessen Fabriken in Schweden

Die Konjunktur ist vorbei, Schweden steuert gemäßigteren Zeiten entgegen. Die Wirtschaftsflaute lässt sich zum Ende des Jahres deutlich ablesen, nämlich an der Zahl der Schließungen ganzer Fabriken.

Im August kündigte Avesta Polarit an: das Stahlwerk Degerfors wird geschlossen, die Produktion nach Sheffield in Großbritannien verlegt. Etwa gleichzeitig teilte der amerikanische Eigner Carrier Refrigerator der Belegschaft in Arvika mit, dass die Produktion von Kühl-und Gefriertruhen nach Ungarn verlegt wird. Weder in Degerfors noch in Arvika konnten die massiven Proteste der Gewerkschaften am Beschluss der Unternehmensleitungen etwas ändern.

In diesem Herbst wurden in Schweden 13 Fabriken geschlossen, oder deren Produktion ins Ausland verlegt. Die Mehrheit dieser Unternehmen ist in ausländischem Besitz. Deshalb geht es mit der Schließung auch besonders schnell, meint Magnus Henriksson, Professor für Volkswirtschaft an der Stockholmer Handelshochschule:
"Es ist nicht zu übersehen, dass das alles sehr schnell geht und ohne Diskussionen, ganz einfach schneller als wir es in Schweden gewöhnt sind".

Jüngstes Beispiel ist die Schließung des Reifenherstellers Gislaved. Auch hier hatte es der deutsche Eigner Continental sehr eilig und ließ der Gewerkschaft keine Zeit für die in Schweden üblichen Verhandlungen und Diskussionen. In Gislaved, wo 800 Arbeiter und Angestellte mit der geplanten Schließung ihren Job verlieren, gingen am Sonntag 2 000 Einwohner auf die Strasse. Die Conti-Fabrik ist der größte private Arbeitnehmer im Ort, ganz einfach die Seele von Gislaved. Gewerkschaftsmann Kaarli Heino hofft, dass die massiven Proteste die Unternehmensleitung bewegen:
"Sie müssen ganz einfach auf uns hören, auf die Angestellten, auf die Leute im Ort und auf Reichstag und Regierung".

Aber bisherige Appelle des Wirtschaftsministers ans soziale Gewissen der Unternehmen haben nichts bewirkt. Die Konzernleitungen fassen ihre Beschlüsse strikt nach den Regeln der freien Marktwirtschaft, rechnet der Volkswirtschaftler Magnus Henriksson nüchtern vor:
"Die Unternehmensleitungen stehen unter dem Druck der Konjunkturflaute. Da muss man die Kosten drücken, besonders die Lohnkosten. Wenn es dann günstiger erscheint, eine Fabrik zu schließen, oder ins Ausland zu verlegen, dann tut man es. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass dieser Trend anhalten wird".

Gundula Adolfsson

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