Wegen Schimmels - Modernes Museum zieht um

Stockholms Steuerzahler bekommen ein unwillkommenes Neujahrsgeschenk. Das Moderne Museum, ein Vorzeigeobjekt des Stockholmer Kulturlebens, muss für Kosten in Millionenhöhe zeitweise aus seinen angestammten Räumlichkeiten ausziehen. Der Grund: Feuchtigkeit und Schimmelbefall - und das gerade mal vier Jahre nach der Eröffnung. Heute (18.12.2001) nun legte die Staatliche Grundstücksverwaltung ihren Mängelbericht vor

”Architektonische Glanzleistung” - ”Traum aus Weite und Helligkeit” - der Superlative hatte es viele gegeben, als das Museum auf der malerischen Insel Skeppsholmen eröffnet wurde. Längst ist nun Ernüchterung eingekehrt. Nach harter Kritik am früheren Museumschef David Elliot kam vor einigen Monaten die nächste schlechte Nachricht: Wegen Schimmelbefalls tut schnelle Sanierung not. Der an diesem Dienstag veröffentlichte Rapport bestätigte nun zwar nicht die schlimmsten Befürchtungen. Kapitale Schäden wie zum Beispiel feuchte Zementböden gibt es nicht. Dennoch ist die Sanierung unvermeidlich. Museumschef Lars Nittve beschreibt es so: ”Es gibt eine Menge kleiner Probleme in dem Gebäude, und zusammengenommen führen diese Probleme zu einer Situation, die der Gesundheit des Personals abträglich ist.”

Mehrere Fehler und Unachtsamkeiten, so der Bericht, haben schließlich zu dem unerfreulichen Ergebnis geführt. Da wies dort ein Dach zum Haus hin statt weg davon, gab es hier einen Spalt im Gemäuer, lies wiederum da der Fußboden nicht genügend Raum für angemessene Luftzufuhr. Die Frage nach dem oder den Verantwortlichen für das, was in der Gesamtheit wohl schlicht Schlamperei zu nennen ist, mochte Anders Ahlberg vom Grundstücksamt aber noch nicht beantworten: ”Man kann nicht davon sprechen, wer schuld ist, wenn man noch nicht genau weiss, wo die Fehler liegen. Wir haben sie hier zwar angesprochen, aber dies ist nur ein Teilbericht einer technischen Ursachenanalyse. Bis sie abgeschlossen ist, wird es noch dauern.”

Die Kosten für die Reparaturarbeiten werden bisher mit umgerechnet rund 12 Millionen Mark veranschlagt. Mit weiteren zirka 10 Millionen rechnet man für den Umzug des Museums in ein Übergangsdomizil: Voraussichtlich vom kommenden Frühjahr bis zum Sommer 2003 hausiert das Museum statt in einem der schönsten Gebäude Stockholms in einem der unansehnlichsten: dem ehemaligen Postterminal am Hauptbahnhof.

Museumschef Nittve macht gute Miene zu diesem Spiel: ”Niemanden von uns freut es natürlich, dass wir Skeppsholmen und das Moderne Museum verlassen müssen. Aber das Gebäude stört mich nicht so sehr. Wir haben auch dort Räumlichkeiten, die unseren Zielen hervorragend entgegenkommen. Also, das wird bestimmt bestens funktionieren.”

Freilich wird das Übergangsmuseum nur eine Miniausgabe des jetzigen. Im Postterminal wird man nur kleine, wechselnde Ausstellungen zeigen; Teile des Bestandes des Modernen Museums werden in Erwartung der Neueröffnung einen Dornröschenschlaf führen, andere Teile werden auf bestehende Stockholmer Museen verteilt. Wer in Stockholm moderne Kunst sehen will, wird sich für die kommenden Jahre also auf längere Wege einstellen müssen. Lars Nittve spricht jedenfalls zuversichtlich vom ”Mobilen Museum”. Die neuen Ausstellungsformen, so die Hoffnung des Museumschefs, würden für Organisatoren und Besucher ein Mehr an Spannung bieten.

Anne Rentzsch