Entschädigung für Zwangsarbeiter in Schweden mit Verzögerung

Lange Zeit war verstrichen bis man sich über eine Entschädigung der Zwangsarbeiter in Nazideutschland einigen konnte. Inzwischen laufen die Zahlungen der Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Die Gelder gehen zum größten Teil nach Polen, aber auch in Nordeuropa gibt es Überlebende, die ihren Anspruch eingereicht haben. Doch während in Norwegen die Zahlungen in vollem Gange sind, wurde in Schweden gerade mal zaghaft damit begonnen.

1200 Norweger werden zunächst je gut 3.000 Mark aus dem Topf der Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft erhalten. Die norwegische Nasjonalhjälpen hat verkündet, dass die Briefe zu den Antragstellern unterwegs seien. Später, wenn feststeht wieviele Menschen insgesamt für ihre Zwangsarbeit entschädigt werden müssen, wird nocheinmal ein Betrag ausgezahlt. Insgesamt sind sieben Partnerorganisationen für die Auszahlungen in den verschiedenen Ländern verantwortlich.

Während im Nachbarland also relativ zügig abgewickelt wird, muss in Schweden der Großteil der 875 Antragsteller noch warten. Zuständig für die Verteilung der Gelder in Schweden ist die internationale Organisation für Migration im finnischen Helsinki. Veiku Killonen vertritt die Organisation. Er kann noch nicht verkünden, wann die ersten Gelder ausbezahlt werden:”Das ist im Augenblick für mich schwer zu sagen, weil die Unterlagen in Genf durchgegangen werden. Wir hatten eine erste Durchsicht in Helsinki, dann schicken wir die Dokumente nach Genf und von da weiter nach Deutschland, wo der Fond letztlich über die Gelder entscheidet. Das Programm läuft im Jahr 2003 aus. Im Wesentlichen kommt es darauf an, wie gut der Antrag belegt ist. Wenn wir über den Suchdienst des Roten Kreuzes gehen müssen dauert es länger. Wenn aber alles dokumentiert ist, dauert es vielleicht 2,3 Monate.”


Das dunkle Kapitel deutscher Geschichte erfordert auch in Nordeuropa eine nahezu makabre Abrechnung auf Heller und Pfennig. Veiku Killonen über den Modus: ”Es gibt mehrere unterschiedliche Kategorien. Wer Zwangsarbeiter war und im Konzentrationslager bekommt 15.000 Mark. Zwangsarbeiter in den Fabriken der Industrie bekommen 5000 Mark. Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft bekommen bis zu 2000 Mark. Wurde man zu medizinischen Experimenten missbraucht, bekommt man bis zu 15.000 und es wird auch für den Tod von Kindern gezahlt.”

Eine Antragstellerin ist Janina Karlsson. Sie ist aus Warschau verschleppt worden und war von 1939 bis 1944 im Konzentrationslager Ravensbruck zur Zwangsarbeit. Sie kam mit den legendären Bussen von Folke Bernadotte nach Schweden und ist dann hier geblieben. Schwere seelische und körperliche Wunden hat sie davongetragen. Eine Entschädigung hat sie noch nicht bekommen. Für das Geld aber hätte sie schon einen Verwendungszweck: ”Zuallererst würde ich meine Zähne richten lassen. Das kann ich mir jetzt nicht leisten. Ich bekomme ja nur 5000 Kronen Rente im Monat. Das reicht nicht für alles.”

Der Antrag auf die Entschädigung ist eingereicht. Wie lange sie auf eine Antwort noch warten muss, kann auch Veiku Killonen nicht sagen:”Wenn sie irgendwelche Dokumente hat, zum Beispiel von Ravensbruck oder dem Busstransport, geht das schnell. Falls sie keine Dokumente hat, müssen wir über den Suchdienst des Roten Kreuzes in Genf gehen.”

Bis Ende diese Jahres können noch Anträge auf Entschädigung eingereicht werden. Erst dann wird sich entscheiden, ob die gut 10 Milliarden Mark der Bundesstiftung ausreichen werden, um alle Antragsteller zu entschädigen.

Dieter Weiand

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