Schyman an der Spitze

”Willkommen im Wahljahr!”, so könnte der nachträgliche Neujahrsgruß der schwedischen Linkspartei lauten. Auf dem Parteitag in Västerås feilt Gudrun Schyman am feministischen Profil. Die Kritik der selbstbewussten Vorsitzenden geht in viele Richtungen: An die Gesellschaft und die männlichen Herrschaftsstrukturen in der eigenen Partei, an die Göteborger Polizei wie an die Demonstranten des EU-Gipfels, an die Taliban und die Bomben der Amerikaner. Alexander Budde über eine Partei mit vielen Gesichtern.

Sie ist und bleibt die Gallionsfigur der Linken: Gudrun Schyman. Neun Jahre an der Spitze und heute in Västerås fast einmütig wiedergewählt zur Parteichefin. Auch und gerade, weil sie noch immer den richtigen Ton trifft.

”Diskriminierung und Erniedrigung mögen unterschiedliche Formen annehmen”, so Schyman in ihrer Eröffnungsrede, ”aber es sind die selben Strukturen, die gleichen Muster sowohl im Afghanistan der Taliban, wie auch hier in Schweden. Frauen werden benachteiligt durch ihr Geschlecht. Das ist ein politisches Problem und politisch werden wir es lösen.”

Da zieht so mancher Delegierter und vielleicht auch mancher Wähler den Kopf ein. Doch nicht zuletzt mit solchen Zuspitzungen und Gespür für Themen hat es Schyman geschafft, Vänster aus der Nische zu holen und zur selbstbewussten Siegerpartei zu machen. 40 Prozent der Schweden wünschen sich ein rot-rotes Bündnis, allen absagenden Bekundungen der Regierung Persson zum Trotz. ”Zusammenarbeit ja”, so die Losung in Västerås, aber eben keine uneingeschränkte Solidarität mit den Sozialdemokraten.

”Der Terrorangriff vom 11. September war ein Verbrechen, das nicht rechtfertigen ist”, sagt Schyman. ”Auch nicht durch Unterdrückung und westliche Dominanz. Genauso wenig wie die Bombenangriffe auf Afghanistan, die mehr Unschuldige getötet haben.”

Die Linke zeigt viele Gesichter in diesem Wahlkampf. Kommunisten, Sozialisten, Friedensbewegte an der Basis und eine Reichstagsfraktion, die mit Sozialdemokraten und Grünen zusammenarbeitet und manchmal auch mit den Bürgerlichen. Pragmatiker, die von Ministerposten träumen, und eine linke Parteitags-Mehrheit, die am liebsten schon vor den Wahlen ultimative Forderungen an eine rot-rote Regierungsbildung stellen will.

Das heißeste Eisen aber haben die Delegierten noch gar nicht angepackt. Wie will die Linke mehr Wachstum schaffen, mit teuren Reformen und höheren Steuern? Und wie steht die Partei zur Privatisierung im Allgemeinen und zu privaten Initiativen im kränkelnden Gesundheitswesen im Besonderen? Das Tauziehen um die Wahlplattform hat begonnen- und es wird spannend werden.

Alexander Budde

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